GDF Suez

Umrüstung: In Zukunft kommt Erdöl aus dem Gasspeicher

Fördertechniker Edwin Cords (vorn) erläutert Lokalpolitikern bei einem Rundgang eine Anlage, die das Kissengas aus dem Erdgasspeicher befördert.

Fördertechniker Edwin Cords (vorn) erläutert Lokalpolitikern bei einem Rundgang eine Anlage, die das Kissengas aus dem Erdgasspeicher befördert.

Foto: kerstin völling

Bergedorf. Riesenwinde zieht Rohre aus dem Boden. Fünf Erdölförderanlagen werden bis Ende September umgerüstet.

Bergedorf. Nach dem Ende der Speicherung von Erdgas in Allermöhe wird dort wie auch in Reitbrook und in Neuengamme verstärkt Erdöl gefördert. Dafür werden bis Ende September nacheinander fünf Erdölförderstellen – am Allermöher Deich, im Bereich der Autobahnauffahrt Nettelnburg, am Vorderdeich und am Kirchwerder Landweg in Neuengamme – umgerüstet, um leistungsfähiger pumpen zu können. Die anderen zehn Pumpen, die weiter laufen, werden voraussichtlich im Frühjahr 2016 umgerüstet. Die Ölförderung soll dort mindestens noch zehn Jahre andauern. Nach der Umrüstung der Anlagen sollen jährlich 20000 Tonnen Erdöl aus dem Boden geholt werden – doppelt so viel wie in der Zeit der Gasspeicherung, die 1972 begann.

Die Umrüstung dauert pro Bohrstelle maximal 14 Tage

„Pro Bohrstelle dauert die Umrüstung – mit Auf- und Abbau der etwa 30 Meter hohen Windenanlage – maximal 14 Tage“, sagt Ralf Meyer, Betriebsleiter der GDF Suez E&P Deutschland, einer Tochter des französischen Energiekonzerns Engie. Mit der Winde werden die inneren Förderrohre (Steigrohre) von den Pumpen an abwärts aus dem Boden gezogen. Die Rohre reichen bis zu 800 Meter tief ins Erdreich, sind alle zehn Meter miteinander verschraubt. Sie werden ausgetauscht. Rund 15 Fachkräfte der Firma „Erdöl-Erdgas Workover“ in Salzwedel sind pro Anlage rund um die Uhr im Einsatz. Sie überwachen die Aktivitäten mit Hilfe modernster Technik.

In dem Erdgasspeicher befindet sich seit September 2014 nur noch im oberen Bereich Erdölgas (natürliches Gas) und Kissengas (Arbeitsgas zur Ein- und Ausspeicherung). 350000 Millionen Kubikmeter Erdgas der Firma HanseWerk wurden in deren Gasnetz eingespeist. Nun wird auch das Kissengas – insgesamt 140 Millionen Kubikmeter – heraus gepumpt. Meyer: „Etwa ein Drittel wurde bereits ausgespeichert.“

Nun kann zu jeder Jahreszeit Öl gefördert werden

Aufgrund der Gasspeicherung konnte nur vier bis acht Monate im Jahr Öl gefördert werden: „Das Volumen des Gasspeichers variierte. Als der Speicher voll war, war wenig bis kein Öl förderbar. Nur als er leer war, konnte Öl gepumpt werden“, sagt der Betriebsleiter. Nun kann zu jeder Jahreszeit Öl gefördert werden, deshalb auch die Umrüstung der Anlagen.

Weil sich das Öl bisher nahe am Salzwasser im unteren Bereich des Speichers befand, sei es „zu 90 Prozent verwässert“ gewesen. Meyer: „Nun hat sich das Ölvorkommen verlagert. Deshalb gehen wir künftig von maximal 50 Prozent Wassergehalt aus.“

"Das Öl befindet sich in sehr dichtem Gestein"

Erst 7,5 Prozent des Öls wurden in Vierlanden aus dem Boden geholt. Aufgrund der „schwierigen geologischen Rahmenbedingungen“ rechnet Meyer damit, dass nur die gleiche Menge noch förderbar ist. „Das Öl befindet sich zum Großteil in sehr dichtem Gestein“, sagt er. Weil dieses Gestein andererseits „viele natürliche Risse aufweist, ist Fracking hier gar nicht möglich“, sagt Meyer.

„Hier gab es den weltweit einzigen Gasspeicher, aus dem während des Speicherbetriebs auch Öl entnommen wurde.“ Seit 1937 wird in den Vierlanden Öl gefördert, in Spitzenzeiten bis zu 420000 Tonnen jährlich.