Wentorf

Sie musizieren für Obdachlose

Benefizkonzert: Seit 20 Jahren unterstützen Klaus Stöckel und seine Freunde Projekte für Wohnungslose

Seit 20 Jahren setzen sie sich mit Pauken und Trompeten für Obdachlose ein: Klaus Stöckel, Leiter des Posaunenchores der evangelischen Gemeinde, organisiert mit befreundeten Musikern seitdem jedes Jahr ein "Konzert zum Neuen Jahr" für das Obdachlosenmagazin Hinz &Kunz(t) und seine Projekte. Die Kollekten aus dem Konzert und dem in Büchen bringen meist etwa 1000 Euro ein. In der Pause verkaufen zudem Gemeindeglieder und Musiker das Magazin zugunsten von Klaus Klawikowski.

Dem 65-Jährigen Obdachlosen und Hinz&Kunz(t)-Verkäufer bedeutet das jährliche Konzert viel - ebenso wie seine Aufgabe. "Ich habe ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu meinen Stammkunden", erzählt der 65-Jährige. "Das ist ein Privileg, das ich sehr schätze." Wenn sie ein Problem haben, beispielsweise bei einem Trauerfall, kommen sie zu ihm. "Ich kann ihnen Trost zusprechen und merke dann, dass auch anderen Schicksalsschläge widerfahren. Denn auch ich bin nicht immer nur Verkäufer einer Obdachlosenzeitung gewesen", sagt Klawikowski, möchte aber nicht mehr dazu verraten. "Ich will keine alten Wunden aufreißen. Von meinen Stammkunden kann ich viele auch auf dem Konzert in der Martin-Luther-Kirche begrüßen." Klaus Klawikowski verkauft seit 1998 freitags und samstags im Casinopark.

"Zuerst haben wir noch andere Projekte unterstützt", erzählt Organisator Klaus Stöckel. "Dann erfuhren wir von der neuen Obdachlosenzeitung. Ich fand das toll: Dass diesen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, dass sie sich weniger minderwertig fühlen. Man begegnet den Verkäufern auf Augenhöhe."

Sein heutiges Bild von den "Durchreisenden", wie Klaus Stöckel die Obdachlosen jetzt nennt, ist allerdings Ergebnis eines Lernprozesses. In seiner Jugend hieß es nur: "Lass uns mal die Straßenseite wechseln, das ist ein Penner!"

Geändert hat sich sein Eindruck von Obdachlosen auch durch seine Frau Frauke Stöckel. Sie war 18 Jahre lang bis 2010 Pastorin der evangelischen Gemeinde, bevor sie nach Büchen ging, wo sie sich gut eingelebt hat. "Bei uns klingeln häufiger Durchreisende an der Haustür", erzählt der Profi-Musiker. "Zuerst habe ich sie einfach weggeschickt, wenn meine Frau nicht zu Hause war." Heute weiß er, dass die Pastoren Obdachlosen etwas Geld aus ihrer Amtskasse geben, etwa für eine Fahrradreparatur. Oder sie laden kurzerhand zum Frühstück ein. "Der hat mit Heißhunger unsere letzten Brötchen verdrückt", erinnert er sich. "Das war schön."

Schön soll auch das Konzert am Sonntag, 19. Januar, um 16 Uhr in der Wentorfer Martin Luther-Kirche, Reinbeker Weg 27, werden. "Die Kirche ist immer voll", erzählt Stöckel. "Die Musiker sind zum Teil Militärmusiker. Alle brennen darauf zu zeigen, was sie können: Von der barocken Triosonate Vivaldis über Klezmer bis zu Jazz-Standards." Zum Abschluss sei es Tradition geworden, dass er eines der Complets von Otto Reuther singe.

"Meine Musikerfreunde machen das ehrenamtlich ohne Gage", lobt er. "Sie freuen sich auf die tolle Stimmung und den manchmal tosenden Applaus." Der Eintritt zum Konzert ist frei.