Ehrenmal

Späte namentliche Würdigung

Wentorf. "Wenn ich die Namen lese, sehe ich all ihre Gesichter noch vor mir", erzählt Claus-Jörn Rücker. Doch die Wentorfer, von denen hier die Rede ist, leben nur noch in der Erinnerung: Die 20 Fußballfreunde des 86-jährigen Wentorfers sind im Zweiten Weltkrieg gefallen oder vermisst.

"Die anderen 38 kenne ich auch alle. Wir sind doch zusammen aufgewachsen." Rücker selbst überlebte den Krieg schwer verletzt mit drei Kopfschüssen. Die Erinnerungen ließen ihn nicht los.

Doch erst jetzt sollen seine Freunde, alle gebürtige Wentorfer, eine späte Würdigung erfahren. Die Gemeinde bittet um Spenden für eine bronzene Tafel, auf der die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges namentlich verewigt werden sollen. "Claus-Jörn Rücker hat das Ganze angestoßen", sagt Aribert Führer, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der FDP. "In mir hat er einen Befürworter gefunden." Gemeinsam mit zwei Zeitgenossen, Hans-Hugo Kiehn und dem Sohn des ehemaligen Bürgervorstehers, Rudolf Fränkel, haben Führer und Rücker aus den vom ehemaligen Pastor Christian Hube zusammengestellten Gedenkbuch die gebürtigen Wentorfer herausgesucht. "Das war nicht so einfach, weil dort auch die in den Kasernen stationierten Soldaten der deutschen Wehrmacht aufgeführt waren", berichtet Führer.

Gemeindearchivar William Boehart erläutert, dass die Vergangenheitsbewältigung nach den beiden Weltkriegen sehr verschieden ausfiel: Während nach dem Ersten Weltkrieg in den meisten Gemeinden unter großem Zulauf der Bevölkerung Ehrenmale mit den Namen der Gefallenen aufgestellt wurden, wurden dort nach dem Zweiten Weltkrieg vielerorts nur die Daten "1939-1945" ergänzt. Dass die Namen in den 1950er-Jahren überhaupt für ein Gedenkbuch gesammelt wurden, sei in der näheren Umgebung die große Ausnahme. Rücker hatte in seiner Zeit als Kommunalpolitiker bereits versucht, eine namentliche Würdigung der Gefallenen zu erreichen. Doch damals sei die Zeit dafür nicht reif gewesen. "Doch jetzt gibt es die Menschen, die den Krieg mitgemacht haben, bald nicht mehr - die Ehrentafel ist aber ein Anliegen all meiner Freunde." Heute hingegen hat Boehart ein zunehmendes Interesse an der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg festgestellt - auch bei der jüngeren, der "Enkelgeneration".

Angesprochen auf die Opfer der Nationalsozialisten herrscht zunächst Schweigen. Boehart stellt schließlich fest: "Opfer der NS-Gesellschaft hat es auch in Wentorf gegeben. Doch das Ehrenmal würde für ihr Gedenken nicht passen, das geht in eine andere Richtung. Das Anliegen müsste aber ebenso von den Bürgern kommen wie die Ehrentafel."

Bürgermeister Matthias Heidelberg bestätigt, dass sich die Politik mit diesem Thema ebenso beschäftigen müsse, wie mit möglichen künftigen gefallenen Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz.

Für die Ehrentafel betont er: "Wichtig ist uns, dass wir niemanden vergessen." Deshalb bittet er um Mithilfe: Wer jemanden auf der Liste (siehe rechts) vermisst, möge sich unter Telefon (040) 72 00 10 bei der Verwaltung melden. Außerdem soll die Tafel durch Spenden finanziert werden. Je nach Aufkommen sind entweder zwei Bronzetafeln an den Seiten des Ehrenmals oder eine Tafel an der gemauerten Stufe vor dem Stein geplant. Benötigt werden bis zu 15 000 Euro. Spendenbescheinigungen gibt es ebenfalls bei der Verwaltung.

Das sind die bisher recherchierten Namen, die verewigt werden sollen:

* Heinz Albert, Werner Ahrens, Dieter Baaz, Walter Becker, Wilhelm Breymann, Günther Claasen, Herbert Cordts, Bodo Eggert, Karl Fischer, Günther Fohrmann, Claus Gerber, Dietrich Gerber, Joachim Gerber, Werner Grabarse, Reinhold Grieger, Henry von Have, Ludwig von Have, Heinz Heibrook, Werner Hinz, Walter Hodt, Eberhard Hodt, Helmut Höltig, Erich Kann, Helmuth Kröger, Hartwig Koeppen, Herbert Luckow, Paul Macherschett, Klaus-Dieter Meissner, Hans-Werner Most, Gerhard Müthel, Helmut Nüsse, Franz-Wilhelm von Ondarza, Heinz Pusch, Ernst Püttcher, Kurt Richter, Werner Rieck, Willi Rogge, Erich Scharnweber, Hans Scharnweber, Rudolf Scharnweber, Hugo Schilling, Gerhard Schulz, Albert Slonina, Werner Spörk, Walter Spörk, Karl Stamer, Karl-Emil Steinfatt, Jürgen Hermann Stolz, Roland Hermann Stolz, Hans Stuhlmacher, Helmuth Stuhlmacher, Karl Stuhlmacher, Arthur Suchanek, Waldemar Wedekind, Wolfgang Wedekind, Erich Winter, Herbert Winterfeld, Erich Ziemer.

"Wenn ich ihre Namen lese, sehe ich all ihre Gesichter noch vor mir." Claus-Jörn Rücker (86)