In Badeseen lauern viele unterschätzte Gefahren

Ochsenwerder
(ld).
Am späten Sonntagabend war es traurige Gewissheit: Bei der Leiche, die kurz zuvor aus dem Hohendeicher See geborgen wurde, handelt es sich um den 53-jährigen Familienvater aus Hamburg. Wie es genau zu dem Unglück kam, wird nicht vollständig geklärt werden können: "Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es nicht. Eine Sektion wird nicht angeordnet", sagt Polizeisprecher Andreas Schöpflin.

Allerdings lauern in Badeseen einige Gefahren, die häufig unterschätzt werden: "An allen Seen, die nicht natürlich entstanden sind, gibt es Abbruchkanten, an denen die Wassertiefe auf einmal von knietief auf mehrere Meter abbricht", sagt Sebastian Struss, Bereichsführer Marschlande der freiwilligen Feuerwehren, die mit 30 Kameraden der FF Hohendeich und Fünfhausen am Sonntag im Einsatz waren. Gemeinsam mit Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und DLRG suchten sie nach dem Vermissten.

Gut sechs Stunden vergingen nach dem Untergang des 53-Jährigen, bis er aus gut elf Meter Tiefe geborgen werden konnte. Der starke Pflanzenbewuchs im See erschwerte die Suche der Einsatzkräfte erheblich. Pflanzen reichen an der Stelle vom Grund bis zu 1,50 Meter unter der Wasseroberfläche. "Es ist kein gefliester Swimmingpool. Man sieht seine Hand vor Augen nicht", erklärt Kirsten Ohl, Geschäftsführerin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft im Bezirk Bergedorf. Die DLRG bewacht in der Sommersaison an Wochenenden die Badestelle Süd des Sees. Die Kälte des Wassers werde von Badegästen häufig unterschätzt, so Ohl. "Sie führt an heißen Tagen schnell zur Erschöpfung", warnt sie. Es gebe verschiedene Temperaturschichten im Wasser: "An der Oberfläche aufgewärmt, kann es nur wenig weiter unten wesentlich kälter sein. Für Badende mit einem schwachen Kreislauf kann das schnell gefährlich sein", so Struss.

Die Suche nach dem 53-Jährigen war bereits der dritte Großeinsatz innerhalb der vergangenen zwei Wochen am Hohendeicher See. Ein erwachsener Nichtschwimmer konnte am 13. August gerade noch vor dem Ertrinken gerettet werden, die intensive Suche nach einer angeblichen Leiche im See wurde ergebnislos abgebrochen (wir berichteten).

Struss kann in der Häufung der Unglücksfälle keinen Zusammenhang erkennen. "In den vergangenen neun Jahren hat es dort keinen vergleichbaren Fall gegeben", sagt er.