Städter werden zu Bio-Bauern

Kirchwerder
(hy).
Menschen, die ohne Garten in der Stadt leben, aber gern Gemüse anbauen möchten, können in Kirchwerder Beete mieten. Sannmanns Biogärten auf Hof Eggers am Kirchwerder Mühlendamm 5 sind sehr gefragt, 90 von 100 Parzellen vermietet. Die Hobby-Gärtner werden von Mitarbeitern der Demeter-Gärtnerei Sannmann betreut. Einige haben kaum Fragen, andere freuen sich über intensive Betreuung.

Sabine Kämper (44) aus Eilbek hat in Kirchwerder schon eifrig geerntet. Auf 45 Quadratmetern baut die Journalistin unter anderem Radieschen, Mangold, Erbsen, Bohnen, Tomaten und diverse Salate an. Unkraut, von den Bio-Gärtnern als "Beikräuter" bezeichnet, hält sie mit Hacken in Schach. Gegen "Fressfeinde" werden chemiefreie Mittelchen eingesetzt: "So hilft etwa gegen Blattläuse ein Rhabarber-Aufguss mit einem Schuss grüner Seife", sagt die Freiberuflerin. "Hier gibt's die Anleitung, und zu Hause rühre ich dann etwas zusammen."

Sabine Kämper hat ein grünes Händchen und auch schon fleißig nachgesetzt und -gesät, etwa Radieschensamen sowie Rosenkohl- und Kohlrabi-Jungpflanzen. "Wir haben schon kiloweise reifes Gemüse weggeschleppt. Wenn man den Arbeitsaufwand außer Acht lässt, ist die Investition schnell wieder drinnen."

Die 44-Jährige hat der Anbau von Gemüse schon als Kind fasziniert. "Ich habe schon in den Gärten meiner Eltern und Großeltern experimentiert und dort 'exotische' Gemüsesorten wie Physalis und Artischocken angebaut, aber auch kompostiert und Kartoffeln gesetzt", sagt sie. Mit dem Anbau von Kräutern und Himbeeren hat sie ebenfalls Erfahrung. "Aber ein Demeter-Garten ist schon etwas anderes. Hier kann ich mein Wissen noch ordentlich vertiefen."

Olaf Deharde hatte keine Ahnung von Gartenarbeit, bis er im Frühjahr in seiner Sannmann-Parzelle loslegte. Der 37-Jährige, der "der Liebe wegen" im März von Altona nach Bergedorf zog, bearbeitet zwei-, dreimal wöchentlich die Parzelle der "Kitchen Guerilla", findet die Arbeit "faszinierend". Deharde: "Wenn man sieht, wie da langsam etwas aus der Erde wächst, hat man einen stärkeren Bezug zu dem Essen", sagt er.

Deharde ist einer von drei Gesellschaftern der kleinen Hamburger Firma Kitchen Guerilla, die Restaurants berät, im Auftrag von Firmenkunden Koch-Events organisiert und Rezepte im Internet veröffentlicht.

Deharde schätzt "gesunde Produkte, von denen ich weiß, woher sie kommen". Er koche für sein Leben gern, habe aber bisher nie im Garten gearbeitet und keinen grünen Daumen. "Deshalb mache ich natürlich auch einiges falsch. Zum Beispiel habe ich das Unkraut zu intensiv umgegraben und dadurch die Rote Bete, die sich noch unter der Erde befand, gleich mit beseitigt", sagt der 37-Jährige und fügt lachend hinzu: "Ich brauche viel Beratung, betreutes Gärtnern quasi." Aus dem Gemüse, das er erntet, kreiere er Rezepte, die unter