Planung

Landwirte fürchten um das dörfliche Billwerder

Potenzialflächen: Mögliche Pachtfrist für jeweils ein Jahr bereitet Probleme

Die Landwirte Peter Graumann (54) und Rainer Stubbe (52) aus Billwerder befürchten "massive Flächenverluste", die die bäuerliche Landwirtschaft gefährden. Der Grund für ihre Sorgen sind Schreiben der Sprinkenhof GmbH (Finanzbehörde), die die Verpachtung der sogenannten Staatspachthöfe - davon gibt es 64 in Hamburg (47 in Bergedorf) - verwaltet. Denn in den Briefen ist mit Blick auf die Verlängerung der Pachtverträge zum 1. Januar 2017 erstmals von "Potenzialflächen" die Rede. Diese meist sehr hofnahen Flächen sollen nur noch für jeweils ein Jahr verpachtet werden.

"Das stellt uns vor große Probleme", sagt Peter Graumann, "denn in meinem Falle geht es beispielsweise um ein paar Tausend Quadratmeter, die ich zum Auslauf der Pferde benötige. Eine kilometerweit entfernte Ersatzfläche würde mir nichts nützen." Der Landwirt hat 100 Hektar von der Stadt gepachtet. Fünf Hektar dieser Fläche hat die Stadt als "Potenzialfläche" im Blick. Stubbe, studierter Landschaftsplaner, nutzt 38 Hektar Pachtfläche als Grünland für seine Tiere. Bei ihm geht es um 2,5 Hektar. "Zwölf Monate sind kein Zeitraum, mit dem wir planen können", sagt Peter Graumann.

Üblich ist eine Pachtzeit von 18 Jahren. Eine Ausnahme bilden Flächen wie 160 Hektar Weideland in Oberbillwerder, die Ende der 90er-Jahre überplant wurden. Weil dort Wohnbebauung vorgesehen ist, werden die Flächen nur im Fünfjahresrhythmus verpachtet. Graumann: "Dort müssen wir mit Bebauung rechnen - und das ist ja auch verständlich, weil Wohnraum dringend gesucht wird."

Doch dass die Stadt auch die "Potenzialflächen" direkt am Billwerder Billdeich im Blick hat, bereitet Rainer Stubbe auch mit Blick auf den "Erhalt des dörflichen Charakters" Sorgen: "Es besteht die Gefahr, dass das Bild vom alten Straßendorf Billwerder zerstört wird, dass streckenweise die Landschaftsfenster zugebaut werden", sagt Stubbe, Vorstand des Vereins "Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille".

Der 52-Jährige habe Verständnis dafür, dass Menschen aufs Dorf ziehen möchten, weil es dort so schön ist, "aber wenn alles zugebaut wird, ist es hier nicht mehr schön". Eine Bebauung würde laut Stubbe die Zuschüttung von Gräben sowie den Verlust von Streuobstwiesen und altem Baumbestand bedeuten.

Peter Graumann wundert sich auch darüber, dass eine Fläche als "Potenzialfläche" vorgesehen ist, auf der er einst Bäume gepflanzt hat - "als Ausgleichsmaßnahme". Neben Flächen für die Wohnbebauung benötigt die Stadt auch Ausgleichsflächen für Eingriffe in die Natur. Graumann: "Es werden auch Flächen in den Billewiesen als 'Potenzialflächen' aufgeführt. Dort, im Landschaftsschutzgebiet, darf nicht gebaut werden. Sollen dort Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen werden?"

"Bisher sind unsere Versuche, von den Behörden aufgeklärt zu werden, im Sande verlaufen", sagt Stubbe, und Graumann fügt hinzu: "Was sollen wir tun, wenn uns plötzlich ein neuer Vertrag vorgelegt wird, wenn wir keine Zeit mehr haben, gegen die Neuregelungen anzugehen? Wir brauchen Klarheit."

Der Verein "Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille" hat sich an das Bezirksamt gewandt. Dort heißt es, dass derzeit geprüft werde, "ob und gegebenenfalls in welcher Form den Wünschen der Pächter Rechnung getragen werden kann", sagt Sprecherin Martina Parlow. Ähnlich äußert sich Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde: Es gebe "noch keine abschließende Festlegung zwischen den beteiligten Behörden". Stricker will nicht ausschließen, dass auch für "Potenzialflächen" wieder langfristige Pachtverträge möglich seien. Noch sei allerdings unklar, wie mit welchen Flächen verfahren wird.

Die mit der Verwaltung der Pachthöfe beauftragte Sprinkenhof GmbH sei nun angewiesen worden, weitere Verhandlungen und Vertragsabschlüsse mit den Landwirten vorerst zurückzustellen, berichtet Martina Parlow. In einem Arbeitskreis "sollen die Rahmenbedingungen festgelegt werden", teilt die Sprecherin mit. Der Arbeitskreis Vier- und Marschlande besteht aus Mitgliedern des Regionalausschusses, entscheidet darüber, wo gebaut und wo landwirtschaftliche Flächen erhalten werden sollen.