Tatenberg

Senatorin lehnt Biosphärenreservat ab

SPD-Gespräch: Jutta Blankau: Wir tun mit Naturschutzgebieten mehr für den Erhalt der biologischen Vielfalt

Jutta Blankau überraschte die etwa 60 Gäste gleich zum Auftakt. "Hamburg hat schon längst ein Biosphärenreservat", sagte die Stadtentwicklungs- und Umweltsenatorin (SPD) beim Gespräch mit dem SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Gert Kekstadt im Fährhaus Tatenberg. "Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer mit den Inseln Neuwerk, Scharhörn und Nigehörn ist gleichzeitig Biosphärenreservat und gemeinsam mit den anderen deutschen Wattenmeerparks und dem niederländischen Wattenmeer von der Unesco als Weltnaturerbe anerkannt."

Das sei aber nicht der Grund, warum sie die Pläne - maßgeblich von der Gesellschaft für ökologische Planung (GöP) vorangetrieben - ablehne, 30 000 Hektar entlang der Elbe als Biosphärengebiet auszuweisen. "Wir haben Naturschutzgebiete erweitert und neue geschaffen", fuhr die Senatorin fort. Neun Prozent der Hamburger Fläche stehen mittlerweile unter Schutz. Wenn es darum gehe, die biologische Vielfalt zu schützen und eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen, wie es Ziel eines Biosphärengebietes ist, "dann erreichen wir durch Naturschutzgebiete deutlich mehr", sagte Blankau. Zumal in den nächsten Jahren viel Geld in die Pflege der Natur- und Landschaftsschutzgebiete gesteckt werden solle. Neue Pflege- und Entwicklungspläne werden derzeit ausgearbeitet.

Blankau machte noch einmal deutlich, dass die GöP und deren Geschäftsführer Kai Schmille die treibende Kraft in puncto Biosphärengebiet seien und seit 2012 dafür werben. "Ich war etwas verärgert, als Herr Schmille jetzt mit einem Zwischenbericht auftauchte und behauptete, auch von der BSU unterstützt zu werden", sagte die Senatorin. "Es kann sein, dass Mitarbeiter meines Hauses die Pläne gutheißen. Aber ich kann Sie beruhigen: Unsere Politik ist das nicht." Sie sehe nicht, dass es sich - wie von der GöP postuliert - um ein einheitliches Gebiet handele. "Dafür sind die Fischbeker Heide und die Vier- und Marschlande zu unterschiedlich", sagte Blankau. Selbst Naturschutzbund und BUND unterstützten das Vorhaben nicht. Mit Ausnahme der Grünen: Sie haben das Biosphärengebiet ins Wahlprogramm aufgenommen. Und so könnte es nach der Hamburg-Wahl am 15. Februar bei Koalitionsverhandlungen "eine Rolle spielen", räumte Blankau ein.

Das Gros des Publikums - darunter zahlreiche Bauern - beruhigte die ablehnende Haltung der Senatorin. Ob ein Biosphärengebiet eventuell vor Fracking schütze, wollte ein Zuhörer wissen. "Wir wollen Fracking nicht und diese Position halten wir aufrecht", sagte Blankau. Und das Bergrecht werde dahin gehend geändert, dass örtliche Wasserbehörden künftig beteiligt werden müssten. Zum Flächenfraß meinte die Senatorin: "Wir werden zunehmend Ausgleichsflächen in anderen Bundesländern brauchen." In puncto Gewerbe sollen alte Flächen verdichtet werden "und wir wollen in die Höhe gehen", sagte Blankau.