Kirchwerder

Renate Wilkens - Lehrerin mit Leib und Seele

Grundschule: 63-Jährige verabschiedet sich nach 40 Jahren aus Kirchwerder

Renate Wilkens ist das Paradebeispiel einer Lehrerin, die ihren Beruf mit Leib und Seele ausübt. Vier Jahrzehnte unterrichtete sie Vierländer Kinder und später wieder deren Kinder am Kirchwerder Hausdeich - viele Jahre an der Zentralschule, zuletzt an der Grundschule. Jetzt, mit 63 Jahren, zog sie einen Schlussstrich und verabschiedete sich in den Ruhestand. "Das heißt aber nicht, dass ich mit 'meiner Schule' nichts mehr zu tun haben will", sagt die Marschländerin. "Wenn ich meine Kolleginnen unterstützen kann, mach' ich das auch künftig gern."

In Ochsenwerder geboren und aufgewachsen, kam Renate Wilkens eher auf Umwegen zum Lehramt. "Ursprünglich wollte ich Architektin werden", sagt sie. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium studierte sie dann aber zunächst Betriebswirtschaftslehre, merkte jedoch schnell, dass Statistik und Co. ihr nicht liegen. So sattelte sie um auf Soziologie und Erziehungswissenschaften. Das Referendariat führte sie zurück nach Ochsenwerder an die Schule am Elversweg. Kaum war sie damit fertig, wurde sie Anfang 1974 auch schon an die gerade eingeweihte Zentralschule in Kirchwerder berufen - als Vertretung für Sabine Düsedau, die Frau des späteren Schulleiters Jan Düsedau.

Als besonders schöne Seite schätzt Renate Wilkens an ihrem Beruf, "dass er sehr abwechslungsreich, entsprechend kein Tag wie der andere ist". Sie war eine ständig Lernende, von denen es ja auch heißt, dass sie sehr gute Lehrende seien. "Wir sind Zehnkämpfer, denn wir müssen alles machen", sagt sie und erinnert sich noch heute mit Herzklopfen an Vertretungen in der R 10 in Physik, was mehr als ein Sprung ins kalte Wasser gewesen sei.

Auch wenn Renate Wilkens ein Faible für Mathematik hat, sich immer für den Erhalt der plattdeutschen Sprache stark machte und Handarbeit wie keine ihrer Kolleginnen beherrscht: Ihr größtes Interesse galt 40 Jahre lang dem Wohl der ihr anvertrauten Kinder. Zu sehen, wie sie wachsen, sich entwickeln und ihren Weg gehen, bereitete ihr große Freude. "Alle haben ihren Platz in der Gesellschaft gefunden", sagt die Mutter zweier Kinder rückblickend, die auch immer intensiven Kontakt zu den dazugehörigen Familien suchte. Dabei stand für sie stets an erster Stelle, ihre Zöglinge zu toleranten Menschen zu erziehen, "die jeden nehmen sollten, wie er ist".

Mit ihrem profunden Hintergrundwissen war die damalige kommissarische Schulleiterin auch Uta Knüppel, die 2012 die Leitung der Grundschule übernahm, eine große Hilfe. Aber nachdem vor eineinhalb Jahren Sabine Bardowicks in den Ruhestand ging, "fehlt mir mein Tandempartner", sagt Renate Wilkens augenzwinkernd. "Deshalb muss ich jetzt gehen." Uta Knüppel nickt zustimmend: "Die Zwei waren wirklich ein perfektes Team." Doch die Vollblut-Pädagogin verabschiedet sich nicht für immer, da ist sich die Leiterin sicher.

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