Moorfleet

Plädoyer für einen Kunsthafen

sinnFlut: "Baggerbine" Sabine Eisbrenner wirbt für kreative Vielfalt in Hamburg

Federleicht schwebt eine blaue Puppe durch die Luft. Ein weißes Pendant steht in einer güldenen Baggerschaufel, deren Kranausleger eine Figur in Bauarbeiter-Outfit festhält. Auf all' dies schaut eine halbnackte Schöne, die sich auf einem Baggerführerhäuschen rekelt: Das Quartett gehört zur "sinnFlut" im Holzhafen, einem Kunstrefugium der besonderen Art.

Sabine Eisbrenner ist die blonde "Baggerbine". Sie hat den Schwimmbagger "Ilmenau" vor zwei Jahren vor dem Verschrotten gerettet. Seither steckt die Objektkünstlerin aus Bremen jede freie Minute und hektoliterweise Herzblut in den auf einem 120 Quadratmeter großen Ponton schwimmenden Oldie, um ihn zu restaurieren und mit ihren Objekten zu gestalten. Eine Sisyphus-Arbeit, denn der 1955 gebaute Menck-Bagger, der jahrelang zwischen Hoopte und Wedel unterwegs war, rostet unaufhaltsam. "Allein ist das nicht zu schaffen", sagt Sabine Eisbrenner. Sie freut sich über jede Unterstützung, wie beispielsweise der von Nils Herforth von "NH Maritim", der dem Schwimmbagger im Holzhafen eine Bleibe ermöglicht. Ein Leben ohne ihren Bagger ist für Sabine Eisbrenner schwer vorstellbar: "Ich liebe das Leben mit Sonne, Mond und Sternen hier auf dem Wasser." Unter Deck hat sie sich eine kleine Kombüse eingerichtet. Hier kann sie wetterunabhängig arbeiten, sich einen Tee kochen und auch mal übernachten.

Sabine Eisbrenner will "Kunst, Bewusstsein und Menschen baggern". Sie arbeitet bei ihrer Objektkunst gern mit alten Werkzeugteilen wie Sägeblättern, Holz, Alu, Kupfer, Metall und Sinnsprüchen. Einer hängt an der Pinnwand und umreißt ihr Anliegen gut: "Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele träumen, ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit." Sabine Eisbrenner geht es nicht nur um "Hamburgs ersten Kunstbagger". Sie hisst ihre grün-rote Kunst-Flagge mit der Aufschrift "Art" vielmehr für eine große Vision: "Hier könnte ein großartiger Kunsthafen entstehen", sagt Eisbrenner. Interessierte gäbe es genug, doch die Hürden für schwimmende Ateliers im Holzhafen sind hoch.

Das Hamburger Hafengesetz erlaubt das dauerhafte Wohnen und Arbeiten auf dem Wasser nicht. Sabine Eisbrenner weiß: Auch die "sinnFlut" ist von der Hamburg Port Authority (HPA) mehr geduldet als erwünscht. Die HPA verwaltet die Hafenflächen im Namen der Stadt. "Dabei wäre es doch eine tolle Attraktion für die Weltstadt Hamburg, wenn hier eine Kunstplattform entstehen würde", sagt Sabine Eisbrenner. Sie wünscht sich, dass auch auf dem Wasser möglich wird, was im Gängeviertel geklappt hat. Denn Künstler könnten so ein Projekt zwar inhaltlich verwirklichen, jedoch finanziell nicht alleine stemmen: "Da brauchen wir die Unterstützung der Stadt", sagt die Objektkünstlerin. Sie ist überzeugt davon, dass sich die Hansestadt eine solche Attraktion leisten könnte, wenn sie wollte. Es wurmt sie, dass der Senat zwar Liegeplätze für "Floating Homes" am Alsterlauf oder in der HafenCity diskutiert und "das Elbvieh", die millionenschwere Elbphilharmonie, finanziert, aber die "bunten Vögel" der Kunst im Holzhafen nicht unterstützt.

Doch Sabine Eisbrenner gibt nicht auf. Sie gestaltet ihren Kunstbagger bunt und vielsagend, macht so auf ihr Anliegen aufmerksam. "Die Kunst neue Wege zu gehen" steht in großen Lettern auf einem Schild. Unermüdlich schwebt die blaue Puppe im Wind. Sie erinnert ein bisschen an einen Piloten und lässt an Antoine de Saint-Exupéry und "Der kleine Prinz" denken. Sein Plädoyer gegen den Werteverfall, für Freundschaft und Menschlichkeit ist auch das Credo von Sabine Eisbrenner.

Infos gibt es auch im Netz: www.kunstbagger.de

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