Kirchwerder

Spaß und Spiel im Überfluss und kostenlos

Kindertag: Zahlreiche Institutionen boten mehr als 300 Junioren viel Abwechslung

. Kinder reiten auf Ponys über das Schulgelände, einige Meter weiter schaltet eine Mutter das Blaulicht eines Streifenwagens der Polizei ein. Hinter dem Fahrzeug steht ein gutes Dutzend Jungs und Mädchen Schlange, um eine frisch gebackene Waffel zu bekommen. Die Wartezeit verkürzt ihnen ein Clown mit lustigen Sprüchen. Auf dem Gelände der Stadtteilschule Kirchwerder mit Grundschule amüsierten sich gestern mehr als 300 junge Menschen. Sie feierten einen "Kindertag", den zahlreiche Schulen mit ihren Ganztagskooperationspartnern, Kitas, Sportvereine, soziale Einrichtungen und Initiativen organisiert hatten.

Schon zum Start um 10 Uhr tobten mehr als 200 Junioren über das Gelände. Sie waren mit drei Sonderbussen der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein von den Kitas und Grundschulen in den Vier- und Marschlanden an den Kirchwerder Hausdeich 341 befördert worden.

"Im Laufe des Tages sind mehr als 100 weitere Kinder erschienen, die sich mit ihren Eltern oder Großeltern zu einem spontanen Besuch entschieden hatten", sagt Marion Lewandowski (54) von Mobile Beratung im Landgebiet (Mobelan). Das Projekt hatte vor drei Jahren die Gründung der "AG Kinder und Jugend im Landgebiet" initiiert. In der AG sind die vielen Institutionen vertreten, die den "Kindertag" auf die Beine gestellt haben.

Für den reibungslosen Ablauf sorgten mehr als 70 erwachsene und jugendliche Helfer. Mitarbeiter der Kita St. Johannis zu Neuengamme rückten mit speziellem Kochgeschirr an, um große Mengen an Suppe auftischen zu können. Die Pädagogen der Elbkinder-Kita Curslack leiteten einen Mitmach-Zirkus. Bergedorfer Stadtmeister halfen beim Auf- und Abbau, betreuten Hüpfburg und Gokart-Parcours. Dorfsheriff Nicole von der Heide zeigte neugierigen Besuchern, was Polizisten so alles im Kofferraum ihres Pkw haben (unter anderem einen Schutzhelm und einen Rettungsring). An Infoständen konnten sich die Eltern bei einer Tasse Kaffee bei zahlreichen Experten über Themen rund um Familie und Kinder informieren. Lewandowski: "Die Organisation und Durchführung des 'Kindertages' ist sehr aufwendig und nur zu schaffen, wenn sich so viele Einrichtungen einbringen."

Die Kinder würden an so einem Tag viele Möglichkeiten finden, sich auszuprobieren, betont Markus Hartmann (49), an der Grundschule Kirchwerder für die Nachmittagsbetreuung zuständig. "Ponyreiten können sich viele Kinder nicht leisten, heute kostet es sie nichts - so wie alle anderen Angebote auch", sagt Hartmann. Schließlich gehe die Schere zwischen Arm und Reich auch im Landgebiet immer weiter auseinander. Hartmann: "Die Betreuung von Kindern spielt eine immer größere Rolle, weil oft beide Eltern arbeiten müssen - nicht selten auch in den Ferien." Einem durchschnittlichen Jahresurlaub von vier Wochen stehen zwölf Wochen Schulferien gegenüber.

In den Vier- und Marschlanden leben rund 4700 Kinder und Jugendliche. Sie finden dort verhältnismäßig wenige Angebote zur Freizeitgestaltung. "In Bergedorf-Stadt gibt es viel mehr Einrichtungen als auf dem Lande", sagt Stefan Thomsen, Leiter des Hauses Warwisch. "Die Pro-Kopf-Ausgaben im Bereich Kinder- und Jugendhilfe sind für Landkinder im Vergleich wesentlich geringer", sagt er.

Zum Abschluss ließen die Kinder gemeinsam mit Bezirksamtsleiter Arne Dornquast bunte Luftballons steigen. Sie hoffen nun, dass ihre Grußbotschaften von Kindern aus anderen Regionen beantwortet werden.

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