Leserbrief: Rieges Gasthof

"Die Lebensfähigkeit des Dorfes steht auf dem Spiel"

Betr.: "Rieges Gasthof. Neues Leben im ehemaligen Traditionsgasthof." 13.6.2013

Hurra. Die Idee ist gut, oder gar zu gut? Was den gespannt lauschenden Bürgern in der in die Jahre gekommenen Gasthofruine von Riege in Ochsenwerder von der Initiative "Wohnprojekt Stadt Land Fluss e.V." vorgestellt wurde, ist ein abermaliger Versuch, Ochsenwerders Dorfmittelpunkt Leben einzuhauchen. Das alte Bauensemble in großen Teilen zu erhalten und gleichzeitig auf der einen Seite eigene Wohninteressen zu verfolgen, andererseits jedoch dem Dorf in seinem Bedürfnis nach Erhalt von Gesellschaftsräumen zu helfen.

Circa eine Stunde fließend leicht vorgetragene Ideen zu 1400 Quadratmeter genossenschaftlich organisiertem Wohnraum und 400 qm Gemeinschaftsräumen, bei Erhalt von nur 120 qm Restfläche des dann einstmalig um ein Vielfaches größeren Festsaales, ließen dann doch manchen Zuhörer aufmerksamer, teils auch kritischer zuhören.

Klar wurde allen, dass hier keine Altbauruinen-Erhaltungsromantik vorgestellt wurde, sondern eine klare Wohninteressenbeschreibung. Spürbar ging ein Riss durch die zwischenzeitlich mit viel Sympathie applaudierenden Zuhörer. Der Verlust des großen Saales und der bis dahin bequem vom Dorf und den Kirchenbesuchern benutzten Parkplätze, ließ Widerstand erkennen.

Letztlich überwog dann doch anerkennender Beifall zu einem Konzept, welches nach Ansicht der Planer etwa 25 Erwachsenen und 15 bis 20 Kindern mitten im Dorf eine neue Heimstatt bieten soll.

Meine persönliche Meinung schwankt zwischen großem Beifall zu der entwickelten Idee und kritischer Betrachtung, solch ein Konzept genossenschaftlich zu erstellen und zu verwalten. Eines jedoch sollte allen Akteuren, ob aus dem Kreis der Bürger, der Politik oder den Ochsenwerder Vereinen kommend, klar sein: Jede Lösung, die endlich dem Dorfmittelpunkt Leben einhaucht, ist besser als der derzeitige Zustand. Es steht für die Lebensfähigkeit des Dorfes viel auf dem Spiel. Es ist besser, eigennützige Interessen Einzelner hinten an zu stellen, wenn am Ende eine vorwärts schauende Dorfentwicklung in Ochsenwerder Einzug hält.

Zu lange wurde durch Verfolgung einer romantischen Idee Zeit und Kraft verloren, ja sogar der Anschluss an die Entwicklung einer Zukunftsstruktur des Dorfes. Die Chance, Verlorenes aufzuholen, beginnt mit dem Tag der Realisierung dieses Projektes und darum: "Herzlich willkommen Stadt Land Fluss e.V. in Ochsenwerder!"

Rüdiger-Horst Bambach (FDP), 21037 Hamburg

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