Sandwisch

Widerstand gegen Flüchtlinge wächst

Moorfleet. Im Dorf wächst der Widerstand gegen eine mögliche Unterbringung von Flüchtlingen in der alten Schule an der Sandwisch 66. Die Stadt Hamburg hat das leer stehende Gebäude als Asylbewerberheim für zunächst zwei Jahre im Blick.

Bereits ab Januar sollen 100 Menschen in der Schule und in Containern auf dem Hof leben. Doch viele Moorfleeter mögen sich mit dem Gedanken an ein Asylbewerberheim mitten im Ort nicht anfreunden. Sie fordern die Verantwortlichen auf, andere Standorte zu favorisieren - etwa auf dem Schaustellerplatz am Brennerhof oder auf der benachbarten Gewerbefläche.

Die Menschen aus dem Dorf wollen den Politikern und Verwaltungsmitarbeitern ihre Standpunkte verdeutlichen. Deshalb organisieren sie für Dienstag, 19.30 Uhr, eine Informationsveranstaltung in der Sporthalle Sandwisch.

Die Sozialbehörde will die Standort-Alternativen "umgehend bis zum 18. Dezember prüfen", teilt Nicole Serocka, Sprecherin der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) mit. "Sofern sich die Brennerhof-Fläche für die kurzfristige Nutzung für den geplanten Umfang an Plätzen für öffentlich rechtliche Unterbringung eignet, ist die BASFI bereit, die vorgeschlagenen Standorte aufzugeben." Vertreter der Sozialbehörde, des Bezirksamtes und des zuständigen Trägers fördern & wohnen werden an dem Infoabend präsent sein.

Ihnen hat Peter Voß, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Moorfleet (AGM), einiges zu sagen. Er verweist auf eine geplante Voruntersuchung. "Es soll geklärt werden, ob ein Bebauungsplan für das Dreieck Sandwisch, Moorfleeter Kirchenweg und Moorfleeter Deich sinnvoll ist. Es gibt Interessenten, die dort Häuser bauen wollen. Das Schulgelände ist in dieses Gebiet einbezogen." In Gefahr sieht er auch den Plan, auf dem Schulgelände in drei Jahren Berufsschüler unterzubringen. Denn Voß bezweifelt, wie viele seiner Mitstreiter, dass ein Flüchtlingsheim nach zwei Jahren tatsächlich wieder geschlossen wird.

Manfred Meyer, Vorsitzender des Moorfleeter Heimatvereins, findet, dass eine Flüchtlingsunterkunft "einfach nicht mitten ins Dorf passt". Anwohner Hans-Peter Kühl (57) ist "nicht prinzipiell dagegen. Das sind schließlich Menschen, die Hilfe brauchen". Harald Martens (AGM), bringt eine weitere Fläche ins Spiel: "An der Amandus-Stubbe-Straße, dort wo der Cirque du Soleil seine Zelte aufschlägt, wäre ab Februar Platz auf einer frisch asphaltierten Fläche." Wichtig sei laut Martens, sich in die Planung einzumischen "bevor alle Würfel gefallen sind". Dass der Infoabend wichtig sei, habe nicht jeder Sozialdemokrat begriffen: "Dabei ist der Senat doch der Meinung, dass wir den Dialog mit dem Bürger suchen sollen", sagt der stellvertretende Distriktsvorsitzende der SPD Vier- und Marschlande.

Über die bisherigen Argumente der Moorfleeter ist Ortrud Schiffler-Hausmann (59) entsetzt: "So viel Kälte in diesem Dorf hätte ich nicht erwartet. Ich plädiere inzwischen auch dafür, keine Asylbewerber hier anzusiedeln - aus Angst vor den Moorfleetern." Ihre Familie sei im Krieg geflüchtet und in Norddeutschland "nicht mit offenen Armen empfangen" worden. "Ich kenne die Probleme von Flüchtlingen." Bei dem Infoabend will Schiffler-Hausmann sich für sie einsetzen. Aus dem Heimatverein wird sie nun austreten.