Hochwasserschutz

Mit Kleibrei wird der löchrige Deich gestopft

Altengamme (hy). In weite Teile des Hauptdeichs haben Mäuse Löcher gegraben, die sie teils zu weitverzweigten Gängesystemen ausbauen. So höhlen die kleinen Tiere Jahr für Jahr aufs Neue mit ihren Bauten die Deiche aus.

Würde nichts dagegen unternommen, wäre der Hochwasserschutz über kurz oder lang gefährdet. Deshalb beauftragt das Bergedorfer Bezirksamt die Firma Rolf Francke. Sie hat sich auf die Beseitigung der Mäuselöcher spezialisiert.

Seit eineinhalb Wochen sind Mitarbeiter der Allermöher Firma auf dem knapp 35 Kilometer langen Hauptdeich zwischen Spadenland und Altengamme unterwegs, um in diversen Abschnitten ein Klei-Wassergemisch in die Mäuselöcher zu pumpen. Mit einem Druck von drei bis fünf Bar pressen die Männer den Kleibrei in die Mäusebauten. Begleitet werden sie von einem Trecker, aus dessen 18-Kubikmeter-Tank die Spezialmischung über lange Kunststoffschläuche in die Kunststoffrohre der beiden Arbeiter gepumpt wird. Sie drücken das Rohr in die Vertiefung und pressen so lange breiigen Klei hinein, bis er herausquillt. Manchmal flüchten Mäuse in letzter Sekunde aus ihren Bauten, andere werden von der Brei-Flut getötet.

Etwa 17 Kilometer lang sind die Abschnitte, die von den zuständigen Mitarbeitern des Bezirksamtes als "löchrig" eingestuft wurden. Die Beseitigung der Hohlräume kostet 15 000 Euro.

"In einigen Abschnitten sind nur wenige Löcher, in anderen, wie an der Tatenberger Schleuse oder hier in Altengamme, sehr viele", sagt Alexander Hahn. Der Mitarbeiter der Firma Rolf Francke weiß deshalb auch nicht, wie lange er und seine Kollegen für den letzten, einen Kilometer langen Abschnitt noch brauchen. Bei Frost oder Schnee wird nicht gearbeitet: "Dann können wir die Rohre nicht aufsetzen, erkennen die Mäuselöcher nicht", sagt Hahn.

"Wenn der Deich erst kürzlich erhöht oder repariert wurde, sind dort oft mehr Risse zu finden. In dem weichen Kleiboden fühlen sich die Mäuse besonders wohl", sagt Hahn. "Dort sind 200 Mäuselöcher auf einem 100-Meter-Abschnitt keine Seltenheit." Pro Gängesystem werden durchschnittlich fünf Liter Kleibrei verfüllt.

Rolf Francke geht davon aus, dass seine Mitarbeiter in diesem Jahr insgesamt 80 Kubikmeter Kleibrei in den Hauptdeich pumpen. Die Füllmasse wird auf dem Gelände seiner Firma am Allermöher Deich angemischt. Francke weiß, welcher Mix der richtige ist: Er kann auf eine fast 20-jährige Erfahrung beim Anmischen zurückgreifen.