Weihnachtssterne

Große, buschige Pflanzen im Trend

Reitbrook. Alle Jahre wieder, pünktlich zur Saison, geraten Weihnachtssterne (Poinsettien) in die Kritik von Umweltverbänden. So warnt beispielsweise der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland aus Kiel in diesen Tagen wieder vor der Massenware, die massiv "mit Pestiziden und Wachstumshemmern behandelt" sei.

Der Tipp: Bio-Pflanzen kaufen. Doch die sind auf dem Markt selten zu finden. Die Alternative: Weihnachtssterne aus heimischen Gärtnereien.

"Deutschland hat mit die schärfsten Auflagen und Kontrollen im Pflanzenschutzmittelbereich", sagt beispielsweise Wolfgang Martens. "Heimische Gärtnereien, die selbst Weihnachtssterne ziehen, arbeiten anders, als die Länder aus denen Massenware in Millionenhöhe importiert wird", sagt der Gärtnermeister. Gefährliche Pestizide, die in Deutschland seit langem verboten seien, kämen in Ländern Südamerikas und Afrikas zum Einsatz.

Noch im vergangenen Jahr produzierte die autonome Jugendwerkstätte Hamburg (ajw) in der Gärtnerei am Neuengammer Hausdeich 297 bis zu 500 Stück des Wolfsmilchgewächses (Euphorbia pulcherrima), das ursprünglich aus Mexiko stammt. Heute gibt es im Landgebiet keinen Anbieter von Bio-Weihnachtssternen mehr. "Wir haben die Mutterpflanzen selbst gezogen und vermehrt", sagt Gärtnerin Insa Harms. Die von der Stammpflanze geschnittenen Stecklinge wurden in Öko-Erden ohne Wachstumshemmer aufgezogen. "Das Wachstum haben wir über die Temperatur gesteuert", so Harms. Statt Pflanzenschutzmittel kamen gegen Schädlinge wie die Weiße Fliege ihr Gegenspieler, die Schlupfwespe, zum Einsatz. Weil die Gärtnerei jetzt kein Ausbildungsbetrieb mehr ist, konnte die aufwendige Weihnachtssternproduktion nicht mehr gewährleistet werden.

In der Reitbrooker Gärtnerei Martens wachsen Weihnachtssterne innerhalb eines halben Jahres zu respektablen Größen von etwa 60 Zentimeter Durchmesser und Höhe heran. "Das sind Sondergrößen, die dem Wachstum der Pflanzen eher entsprechen", sagt Martens. Damit liegt der Familienbetrieb am Vorderdeich 25 voll im Trend. Die Kunden schmückten nicht mehr jede Fensterbank mit Poinsettien, sondern kaufen gern ein bis zwei mehrstämmige, buschige Pflanzen. Trendfarbe für das eigene Heim ist immer noch ein sattes Weinrot. Wer einen Weihnachtsstern verschenken will, sei in der Farbwahl mutiger, greife zu Pink, gesprenkelten oder cremeweißen Farbtönen, sagt Meike Martens.

In der Zierpflanzengärtnerei wird die weltweit beliebteste Zimmerpflanze bereits Mitte Mai getopft. Die fünf Zentimeter kleinen, schon bewurzelten Pflanzen stammen meist von Jungpflanzenplantagen aus Mexiko oder den Kanarischen Inseln. In großen Töpfen, ausgerüstet mit einem Langzeitdünger, wachsen die Pflanzen in den Gewächshäusern heran. Alle vier Wochen kommt ein Kaltnebelgerät zum Einsatz. "Damit haben wir den Einsatz von Insektiziden auf ein Minimum reduziert", sagt Martens. Ab Oktober, wenn die Nächte länger als die Tage sind, beginnen sich die Hochblätter der Weihnachtssterne einzufärben. In freier Natur lockt die Pflanze Insekten zum Bestäuben auf ihre winzigen Blüten, die zwischen den prächtigen Farbblättern fast verschwindet. Für die Gärtnereien ist das der Startschuss zur Weihnachtsstern-Saison.