Unesco-Projekt

Vierlanden in der Biosphäre

Bergedorf. Das dürfte einzigartig sein: Hamburg erfüllt trotz dichter Besiedelung die Unesco-Bedingungen für ein Biosphärengebiet, obwohl es nicht aus der Weite eines Flächenlandes schöpfen kann.

Etwa 30 000 Hektar zusammenhängendes Terrain innerhalb der Stadtgrenze sind notwendig, von der ungenutzten Kernzone über Naturschutz-Pflegezonen bis zu sogenannten Entwicklungszonen, zu denen Kulturland mit "überwiegend umweltgerechter Nutzung" zählt. Der Bezirk Bergedorf, speziell das Landgebiet, liefert mit 13 237 Hektar den Löwenanteil neben Harburg, Hamburg-Mitte und Altona.

Kai Schmille von der Gesellschaft für ökologische Planung (GÖP) hat das Projekt jetzt Regionalpolitikern vorgestellt. Auf Anfrage informiert er auch gern andere Gruppen. Denn das Vorhaben, ein "Biosphärengebiet Hamburgische Elblandschaft" bei der Unesco anzumelden, lebt von bestmöglicher, breiter Akzeptanz in der Bevölkerung.

Der Titel soll auch für die Vier- und Marschlande mehr sein als ein Image-Gewinn. Zudem könne er den Aufbau neuer Marken und Vermarktungsstrukturen fördern. Vor allem aber soll er sensibel für das eigene Umfeld machen: "Da soll nichts von oben überstülpt werden und es geht bei der Einrichtung eines Biosphärengebiets auch nicht um die museale Konservierung eines Zustandes", sagt Schmille. Vielmehr sollen die Menschen in der Region selbst ihr Lebensumfeld dauerhaft mitgestalten und sich damit identifizieren. Sie sollen selbst die biologische Vielfalt schützen und gleichzeitig eine nachhaltige (Stadt)-Entwicklung ermöglichen, ein ausgewogenes Verhältnis wahren zwischen menschlicher Nutzung und Ressourcenschutz, insgesamt sparsam mit der Fläche umgehen. Bauvorhaben wären nach wie vor möglich, doch sie unterlägen höheren Standards.

Das Unesco-Programm "Der Mensch und die Biosphäre" wurde schon 1971 ins Leben gerufen. Ziel ist die Schaffung eines Weltnetzes von Modellregionen mit nachhaltigen und dauerhaft umweltgerechten Lebens- und Wirtschaftsweisen. Bisher gibt es 580 anerkannte Gebiete in 114 Staaten. 15 davon liegen in Deutschland - etwa die Wattenmeer-Biosphärenreservate, der Schaalsee oder die Schwäbische Alb.

In Hamburg geht es konkret um die gesamte Elbaue mit Vordeichflächen, die eingedeichten Marschen, große Teile des Geesthanges, sowie anschließende Flächen auf der Geest in Rissen-Sülldorf-Blankenese, den Harburger Bergen und in Billstedt.

"Die Elblandschaft Hamburg" bietet einen repräsentativen Ausschnitt einer Natur- und Kulturlandschaft von besonderer Vielfalt, Eigenart und Schönheit", sagt Schmille. Er nennt unter anderem die Süßwasser-Tideaue, die Überflutungsflächen, Deiche, die Marsch mit den Beetstrukturen, den Trockenrasen, die Knicks und Kleingewässer. Ebenso ist die Landschaft geprägt von Landwirtschaft, Schifffahrtswegen, Kleingärten, Gewerbe, Bahnanlagen, Deponie- und Ablagerungsflächen, Dorfstrukturen und Elb-Stadtteilen. "Insgesamt eine Region, die in besonderer weise Modell sein kann für die Verknüpfung des Schutzes der biologischen Vielfalt, mit dem Streben nach wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung und dem Erhalt kultureller Werte", sagt Schmille.

Kontakt: GÖP-Geschäftsstelle, Telefon (040) 28 49 37 35