Leserbrief: Ausverkauf der Vier- und Marschlande

"Wir wollen genauso wenig wie Familie Stumpf in einem Windpark wohnen"

Betr.: "Windkraft: Erste Familie will flüchten", Vierlanden-Seite vom 11. 10. 2012

Wir flüchten, wie Familie Stumpf. Es wurde uns äußerst schwer bzw. eigentlich unmöglich gemacht - die Wartezeit auf die Baugenehmigung betrug zweieinhalb Jahre - in einem Landschaftsschutzgebiet ein Einfamilienhaus zu bauen. Eine WKA, die etwa dreimal so hoch wie der CCB Wohnturm (ca. 58m) ist, kann man hier aber ohne Weiteres bauen! Kurzerhand ist Altengamme Eignungsgebiet geworden, und alle Einschränkungen, die für einzelne Bürger gelten, sind völlig wirkungslos, obwohl dieses Gebiet nicht einmal ein windoptimaler Standort ist.

Wir wollen genauso wenig wie Familie Stumpf in einem Windpark wohnen. Seit April engagieren wir uns in der Bürgerinitiative BIWAG, verbringen dort Sitzung um Sitzung, hören die Verzweiflung der Anwohner immer wieder, die sich mittlerweile zu Spezialisten in Sachen Windkraft entwickelt haben und sind erstaunt, dass mit einer unglaublichen Arroganz sich Politiker oder Behörde nicht wirklich für diesen Ausverkauf der Vier- und Marschlande interessieren. Die Energiewende und die Vorreiterrolle, die Hamburg spielen möchte, werden auf Kosten einer Kulturlandschaft und ihrer Einwohner realisiert.

Uns bleibt am Ende, wenn wir es uns leisten können - denn wer will ein Eigenheim im Windpark -, der Wegzug. Wenn wir in Hamburg bleiben, bestimmt nicht in den Vier- und Marschlanden, denn hier läuft man ja nun Gefahr, von Megawattanlagen umzingelt zu werden. Jeder im ersten Teil des Horster Damms könnte so eine Geschichte wiedergeben. Sie haben den Menschen eine Stimme gegeben.

Annette Pinsdorf

21037 Hamburg