Austauschprogramm

Mit der Feuerwehr die Welt erkunden

Billwerder. Mückenspray, Nutella und Shampoo in Mengen hat Janine Bemsch (15) in ihren Koffer gepackt.

"Das sind Geschenke für meine Betreuer in Tansania", sagt die Schülerin, die jetzt mit zwölf Jugendlichen aus Hamburg, zwei Begleitern und einem Dolmetscher in die Hauptstadt Dar es Salaam fliegt. Ermöglicht wurde die 14-tägige Reise in den ostafrikanischen Staat durch die Jugendfeuerwehr Hamburg. Janine Bemsch engagiert sich in der Jugendfeuerwehr Billwerder und beteiligt sich an dem internationalen Austauschprogramm - genau wie Klaus Losansky (13), Lisa Peter (15) und Lennart Seidel (15) aus dem Bezirk Bergedorf.

Janine Bemsch ist aufgeregt, weil sie ein "komplett anderes Leben" erwartet. Die Neuallermöherin hat sich auf einfache Verhältnisse, Spinnen und Schlangen eingestellt: "Ich habe Impfungen gegen Malaria, Hepatitis A und Gelbfieber über mich ergehen lassen." Trotzdem überwiegen Neugierde und Vorfreude.

Wohnen wird die Gruppe in der Hauptstadt im Ausbildungszentrum Dogodogo für Straßenkinder. Eine mehrtägige Safari, Baden im Indischen Ozean, Besuch des Udzwanga Nationalparks und das Kennenlernen der Feuerwehr von Dar es Salaam stehen auf dem Programm.

Die 2,8-Millionen-Stadt besitzt nur eine staatliche Feuerwehr mit fünf Löschfahrzeugen. Daneben gibt es etliche private. Sie helfen allerdings nur gegen Barzahlung.

"Die Jugendlichen sollen neue Kulturen kennenlernen und den Gedanken der Jugendfeuerwehr in die Welt tragen", sagt Sönke Langeloh (32), stellvertretender Jugendfeuerwehrwart in Billwerder. Vor 14 Jahren war er einer der ersten, die Leon in Nicaragua besuchten. Denn seit 1998 bietet die Hamburger Jugendfeuerwehr für Jugendliche ab 14 Jahren Reisen in Partnerstädte wie Leon, Sankt Petersburg, Dar es Salaam und Osaka an.

Lennart Seidel aus Allermöhe flog mit der ersten Asien-Austauschgruppe für zehn Tage nach Osaka. Sein Fazit: "Es hat sich gelohnt." Beeindruckt hat ihn unter anderem die auf Erdbeben spezialisierte Feuerwehr, die Roboter und Wärmebildkameras einsetzt, um Verschüttete aufzuspüren. Zwei Tage lernte der 15-Jährige japanisches Familienleben in einer Gastfamilie kennen, die restliche Zeit wohnte er mit seinen 14 Mitreisenden in einer Jugendherberge.

"Die Japaner sind extrem freundlich, leben in sehr kleinen, vollgestellten Wohnungen und essen viel in Restaurants", erzählt er. In Japan musste er viele Tempel besichtigen - eine Ablehnung wäre unhöflich gewesen. Weder das Essen noch der grüne Tee waren nach seinem Geschmack, dafür hat der junge Allermöher sich das laute Schlürfen angewöhnt. Es gehört in Japan zum guten Ton.

Bei einem Kulturabend in Osaka demonstrierte Lennarts Gruppe, wie Wackelpudding gemacht wird. Die Japaner glänzten mit Origami-Figuren. "Sie wussten aber nicht, wie man einen einfachen Papierflieger faltet", sagt Lennart.

Für die Reise bezahlte der 15-Jährige 700 Euro Eigenanteil - einen Bruchteil der Gesamtkosten. Finanziert und unterstützt wird der internationale Austausch durch viele Partner wie Europäische Union, Stiftungen und die Stadt Hamburg. Jährlich gehen zwei bis drei Gruppen mit mehr als 30 jungen Menschen auf eine große Reise. Im Gegenzug besuchen Gruppen aus den Partnerstädten regelmäßig die Hansestadt. In diesen Herbstferien kommen junge Feuerwehrleute aus Osaka nach Hamburg. Für einen Tag und eine Nacht sind sie in Gastfamilien untergebracht. Klaus Losansky aus Boberg freut sich schon auf seinen Besuch aus Japan: "Meine Eltern und ich wollen unserem Gast den 'Dialog im Dunkeln' zeigen und zum Reiten gehen", sagt der 13-Jährige. "Reiten ist in Japan etwas ganz Besonderes und extrem teuer."

Klaus weiß noch nicht, ob er kommendes Jahr nach Lateinamerika, Russland, Afrika oder Asien reisen möchte. Er konzentriert sich erstmal auf seine Ausbildung bei der Jugendfeuerwehr. "Mir macht es Spaß, Neues zu lernen", sagt er. Technische Hilfe, Wasserrettung, Sprechfunk, Wettbewerbe, Nachtwanderungen, Disco und vieles mehr stehen auf seinem Dienstplan, den er gemeinsam mit Janine, Lennart und Lisa erstellt.

Lisa Peter aus Lohbrügge war 2011 gleich zweimal in Sankt Petersburg - als Austauschschülerin und mit der Jugendfeuerwehr. "In Russland arbeiten Frauen bei der Feuerwehr nur im Büro", erzählt sie. "Die waren richtig geschockt, dass Frauen bei uns Einsätze fahren dürfen." Insgesamt sei die russische Feuerwehrausbildung eher militärisch, eine Jugendfeuerwehr gebe es nicht. Richtig cool fand die 15-Jährige den Besuch in der Feuerwehrakademie. Von einer Hausattrappe sprang Lisa wagemutig in ein aufblasbares Rettungskissen.

Wer sich für die Jugendfeuerwehr und ihre internationalen Begegnungen interessiert, klickt auf www.jf-hamburg.de .