RBS Firmengruppe

Mit großem Erfolg auf Sand gebaut

Moorfleet. Wären da nicht die Lkw, die alle naslang am geöffneten Fenster vorbeidonnern - um den Blick aus seinem Büro ist Andreas Buhk allemal zu beneiden. Der 47-jährige Firmenchef schaut auf einen etwa 35 Hektar großen See, dessen tiefblaues Wasser Trinkwasserqualität hat.

Nicht weit davon entfernt erstreckt sich ein zweiter See, auf dem ein Saugbagger schwimmt. Seit 1987 baut die Firma RBS Kiesgewinnung am Unteren Landweg Sand und Kies ab. Das Familienunternehmen gibt es aber schon viel länger, in diesem Jahr feiert es sein 100-jähriges Bestehen.

Andreas Buhk übernahm 1990 in vierter Generation die Geschäfte des Betriebs, den sein Urgroßvater Richard gemeinsam mit seinem Bruder Gustav 1912 an der Kampchaussee gegründet hatte. Mit seinem Antritt erhielt das Firmenlogo - RBS steht für Richard Buhk & Sohn - den vierten Stern. Ursprünglich hatte er den Beruf des Klempners gelernt. Nebenbei frönte er seiner Leidenschaft: Er fuhr Autorennen in der Formel 3. "Tourenwagen für Ford und Porsche", sagt Buhk.

1987 war sein Vater Jürgen aus der RBS Straßenbau GmbH ausgestiegen, um mit seiner neu gegründeten Firma RBS Kiesgewinnung einen größeren Betrieb in Moorfleet aufzubauen. Kurz darauf erkrankte er an Lungenkrebs und holte seinen Sohn Andreas in die Firma. Der damals 24-Jährige absolvierte in der Abendschule eine kaufmännische Ausbildung und durchlief sämtliche Unternehmensbereiche - vom eigenhändigen Schaufeln an Siebanlagen bis hin zum Lkw-Fahren. 1990 starb Jürgen Buhk. Seitdem fühlt sich sein Sohn der Tradition verpflichtet.

Die Buhks haben Spuren hinterlassen in den Vier- und Marschlanden. So stammen nicht nur die Hower Fischteiche aus der Zeit, als die Familie am Kirchwerder Landweg Kies und Sand abbaute. Auch die beiden Seen in Moorfleet prägen das Landschaftsbild. "Überall im Urstromtal der Elbe ist Sand- und Kiesabbau möglich", sagt Buhk. Erst kommt eine bis zu 1,50 Meter dicke Kleischicht, deren Wasserundurchlässigkeit so hoch ist, dass sie sowohl im Deich- wie auch im Deponiebau eingesetzt werden kann. Darunter liegen Sand und Kies, die mit einem Saugbagger an die Oberfläche befördert werden.

Dort, wo die Baustoffe entfernt werden, steigt Grundwasser auf. "Wir gehen bis in eine Tiefe von 20 bis 25 Meter", sagt der Firmenchef. Entsprechend tief sind auch die Seen. Da ihr Grund eben abgebaut wird, kann das Wasser optimal zirkulieren und die Trinkwasserqualität bleibt erhalten. "Hier herrscht das genaue Gegenteil vom Eichbaumsee", sagt Buhk. Dessen Grund weist die reinsten Schluchten auf, wo eine Zirkulation kaum möglich ist.

Die Hälfte der 70 Hektar großen Fläche ist mittlerweile abgebaut. Buhk schätzt, dass die Vorkommen noch 15 bis 20 Jahre reichen. "Aber wir haben hier auch noch Entwicklungspotenzial", sagt er und zeigt auf eine weitere Fläche an der A 1. Ist auch sie irgendwann erschöpft, wird das Areal rekultiviert, sodass ein natürlicher Puffer zwischen dem Gewerbegebiet Billbrook und den Vier- und Marschlanden geschaffen wird.

Ganz in der Tradition seiner Vorfahren vergrößerte Andreas Buhk das Unternehmen während der vergangenen 22 Jahre kontinuierlich. Mittlerweile gibt es vier Firmen an vier Standorten, deren etwa 40 Mitarbeiter Produkte für den Tief- und Straßenbau, die Industrie sowie für den Garten- und Landschaftsbau herstellen, recyceln und ausliefern. 40 bis 50 Lkw mit 5000 bis 6000 Tonnen Material rollen täglich allein vom Gelände am Unteren Landweg.

Die Mitarbeiter feiern am Abend des 21. Septembers das Jubiläum. Zuvor empfängt die Familie Buhk aber am Vormittag gut 200 geladene Gäste im Waldhaus Reinbek. Ein fünfter Stern ist übrigens auch schon am Firmenhimmel aufgegangen. Sohn Lucas ist seit einem Jahr im Unternehmen. Maximilian, der Jüngere, könnte einen Tag nach dem Jubiläum Europameister im Tourenwagenfahren werden.