Parlamentarischer Abend

Von Rückenwind wenig zu spüren

Hamburg. Vor der Tür warben Mitglieder der Bürgerinitiativen aus Altengamme und Neuengamme um einen moderaten Ausbau der Windenergie - der Menschen und der Kulturlandschaft Vier- und Marschlande zuliebe.

Zudem warteten sie auf Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), um ihm die Listen mit 1649 Unterschriften zu überreichen. Hinter den Türen der Patriotischen Gesellschaft an der Börsenbrücke wollte der Landesverband Hamburg im Bundesverband Windenergie (BWE) "ein wenig Aufklärungsarbeit leisten", wie es Landesvorstand Dr. Axel Röpke bei der Begrüßung der 120 Gäste des Parlamentarischen Abends formulierte.

In der Branche herrscht alles andere als eine leichte, beschwingte Brise. "Wer engagierte Ausbau-Ziele hat, ist zurzeit nicht gern gesehen", sagte BWE-Präsident Hermann Albers. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) "brüskiert uns seit Wochen mit der Forderung: 'Das Erneuerbare-Energien-Gesetz muss weg.'", fuhr Albers fort. Derartige Äußerungen verunsicherten die Branche. Hinzu käme die Konkurrenz aus China. Wobei die chinesischen Produkte keinen Deut besser seien, "da mache ich mir keine Sorgen", sagte Albers. Aber sie seien nicht nur günstig, sondern auch staatsfinanziert. "So haben wir bereits ein wenig Gelbfieber", sagte der BWE-Präsident, "ich hoffe aber, dass daraus nicht auch noch Schwarzmalerei wird."

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hatte sich zuvor für den Ausbau der Windenergie ausgesprochen. Er sei erklärtes Ziel des Senats: "Wir wollen die installierte Leistung von gut 52 Megawatt auf deutlich über 100 steigern." Dafür sollen die Voraussetzungen geschaffen werden - im Außenbereich und im Hafengebiet, mit Neubau und Repowering. "Davon, dass das vernünftig ist, muss man gelegentlich den einen oder anderen noch überzeugen", sagte Scholz, dem kurz zuvor die Unterschriften aus Neuengamme und Altengamme überreicht worden waren. Aber: "Wir brauchen und wir wollen die Energiewende - umwelt- und sozialverträglich."

Dafür würden die erforderlichen Leitungen benötigt, die auch beizeiten zur Verfügung stehen sollten. Stattdessen sei die weitere Finanzierung der Netzanschlüsse nach wie vor ungeklärt. "Die Frage nach dem Transport großer Mengen an Windstrom von Norden nach Süden stellt sich damit umso mehr", bilanzierte der Bürgermeister. "Es müssen Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetze gebaut werden, um das Netz zu ertüchtigen." 2022 soll das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet werden. "Der Westen und der Süden haben auf Atomstrom gesetzt. Es muss also klappen mit der Energiewende", sagte Scholz.

Die unklare Netzanschluss-Situation kritisierte auch Jens Heidorn, seit 1991 Betreiber von Windkraftanlagen in den Vier- und Marschlanden. Bis heute wisse er nicht, in welche Netze der Windstrom aus den ertüchtigten Anlagen gespeist werden soll. Ebenso gebe es wegen der Airbus-Landebahn bislang keine Höhenauskünfte für die geplanten Windräder in Francop. "Wir vermissen ein breit angelegtes Konzept, das zwischen HPA und Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt abgestimmt wurde", sagte Heidorn.

© Bergedorfer Zeitung 2018 – Alle Rechte vorbehalten.