Neubürger

Sie genießen das Leben auf dem Lande erst seit Kurzem

Ochsenwerder/Fünfhausen/Neuengamme. Hamburg wächst rasant. Im Jahr 2025 wird die Zahl der Einwohner um etwa 50 000 auf insgesamt 1 784 000 anwachsen. In allen sieben Bezirken werden neue Wohnungen und Häuser gebaut.

Allein in den Vier- und Marschlanden will der Bezirk Bergedorf im Jahresdurchschnitt Baugenehmigungen für 100 Wohnungen erteilen. Auf den ausgewiesenen Flächen können mehr als 600 Häuser gebaut werden. Einige stehen schon, sind bereits bezogen. Wir sprachen mit "Neubürgern", wie ihnen ihr "neues Leben" auf dem Lande gefällt.

Karin (59) und Uwe Schuchardt (54) leben seit Januar am Ochsenwerder Landscheideweg 292 in einem Einfamilienhaus. Vorher wohnten sie in einer Wohnung in Wandsbek. Ruhe und eine natürliche Umgebung sind den Eheleuten, die beide bei der Haspa in Hammerbrook arbeiten, wichtig. "Die Gegend hier kenne ich gut, weil meine Eltern seit mehr als 30 Jahren einen Kleingarten in Ochsenwerder haben", sagt Uwe Schuchardt. Seine Frau fügt hinzu: "Wenn wir aus der Stadt kamen und die Tatenberger Schleuse passierten, fühlten wir uns früher immer wie im Urlaub."

Neben dem Haus des Ehepaares entstehen drei weitere. Ebenso viele werden von weiteren Neubürgern bewohnt. In die Innenstadt zurück wollen die Schuchardts nicht: "Hier haben wir alles, was wir brauchen. Zu Geschäften und Ärzten ist es nur ein kurzer Fußweg", sagt Karin Schuchardt. Ihr Mann angelt gern im benachbarten Sandbrack.

Überrascht waren die Eheleute lediglich über ihre Zwangsmitgliedschaft im Ent- und Bewässerungsverband. "Das kannten wir vorher nicht und fanden diese Regelung merkwürdig", sagt Uwe Schuchardt. "Aber sie scheint ja Sinn zu machen."

Alexander Sprunk wohnt mit seiner Freundin in einer Mietwohnung in einem Neubau am Neuengammer Hausdeich 174. Der 32-Jährige zog im März aus der Umgebung von Köln nach Neuengamme, von der Stadt aufs Land - der Liebe wegen. "Meine Freundin wohnte vorher in Neuallermöhe." Sprunk genießt "die Stille nach Feierabend". Die Großstadt ist ihm zu hektisch. Der 32-Jährige ist Selbstständig, betreibt ein Unternehmen für Innenausbau und Raumausstattung. "Ich möchte mir hier einen neuen Kundenkreis aufbauen", sagt er und fügt hinzu: "Meine Stammkunden leben alle im Kölner Raum, deshalb bin ich jede Woche dorthin unterwegs."

In der neuen Siedlung am Fritz-Schade-Weg in Ochsenwerder sind Jaane Wendt (33) und Thoralf Rickert-Wendt (35) mit Junior Mats-Ole (sieben Monate) im April in Haus Nummer sechs eingezogen. "Vorher haben wir in Hamm-Nord in einer Arbeiter-Siedlung im fünften Stockwerk gelebt", sagt der Familienvater. "Dort war weit und breit kein Grün zu sehen. Das ist hier glücklicherweise ganz anders." Die Eheleute arbeiten in der gleichen Firma, einem mittelständischen Unternehmen in der Alster-City: Er als Informatiker, sie als Personal-Managerin. Ochsenwerder kannten sie schon vor dem ersten Spatenstich gut: "Freunde von uns leben am Dorferbogen", sagt Jaane Wendt. Sie freut sich besonders darüber, dass der Sohnemann nun viel an frischer Landluft sein kann. Der Traum vom Eigenheim kostet die Neu-Ochsenwerderaner insgesamt etwa 300 000 Euro. Sie hoffen, bis zum Rentenalter alles abbezahlt zu haben.