Kartenvorverkauf

Ärger über Zusatzgebühren

Allermöhe/Bergedorf. Verdutzt betrachtet Markus Seidel (42) aus Allermöhe seine Konzertkarte: "39,90 Euro - inkl. aller Gebühren" steht darauf. Doch bezahlt hatte er an der Theaterkasse soeben 41,90 Euro.

Die zwei zusätzlichen Euro seien "Lizenzgebühren", teilt ihm die Verkäuferin mit. Sie werden an den 19 Konzertkassen der Firma Funke in Hamburg (darunter zwei in Bergedorf) auf jede Eintrittskarte aufgeschlagen - zusätzlich zu den anderen Gebühren. Diese zusätzlichen Gebühren verwirren täglich Kunden.

"Ich gehe gern und häufig in Konzerte und ärgere mich jedes Mal über diese dubiosen Aufschläge. Schließlich sind Konzertkarten ohnehin schon sehr teuer", sagt Lars Sekula (42) aus St. Georg und fügt hinzu: "An der Theaterkasse hieß es auf meine Nachfrage, wie es zu dem Aufschlag kommen, dass die Betriebskosten gestiegen seien, Papier und Druckerpatronen auch bezahlt werden müssten. Ich fühle mich komplett veräppelt."

Er habe es bereits erlebt, dass er für eine Konzertkarte im Vorverkauf mehr bezahlt habe als an der Abendkasse verlangt wurde, berichtet Sekula. "Das ist doch nicht im Sinne des Erfinders." Mit den Eintrittspreisen seien auch die Vorverkaufsgebühren in den vergangenen zehn, 15 Jahren enorm in die Höhe geschossen, sagt Sekula. "Insofern sind doch auch die Einnahmen der Theaterkassen gestiegen. Wieso dann diese zusätzlichen Servicegebühren?".

Ein leitender Mitarbeiter der Funke Konzertkassen, der nicht namentlich genannt werden möchte, begründet die Lizenzgebühren mit dem Anschluss an das computergesteuerte CTS-Buchungssystem, über das 90 Prozent aller Kartenverkäufe abgeschlossen würden. Karten werden deutschlandweit direkt von dem CTS-Server gebucht und ausgedruckt.

Die Bremer Firma CTS bekomme von den Vorverkaufsstellen pro verkaufter Karte einen Betrag zwischen 1 und 2 Euro. Der Betrag sei im Oktober 2011 um 1 Euro erhöht worden. Funke gibt die Preiserhöhung 1:1 an die Kunden weiter. Es gebe deshalb "immer mal wieder Beschwerden". Überhaupt sei das Gebührensystem "völlig abstrus". Denn: Die Vorverkaufsgebühr sei von Veranstalter zu Veranstalter verschieden und für die Kunden kaum nachvollziehbar. "Aber die Vorverkaufsstellen wollen überleben, können deshalb auf Lizenzgebühren nicht verzichten." Außerdem werde am Tresen jeder Konzertkasse auf die Gebühren hingewiesen und die Extra-Gebühr auf dem Bon ausgewiesen, sagt der Funke-Mitarbeiter.

Dass es auch ohne zusätzliche Gebühren geht, demonstriert die Karsten Jahnke Konzertdirektion. Allerdings agiert die Hamburger Firma vor allem als Veranstalter agiert, betreibt zudem an der Oberstraße 14 b auch eine Theaterkasse (Telefon (040) 413 22 60). Auf eine Lizenz- oder Service-Gebühr wird komplett verzichtet.

Sekula wandte sich in seinem Ärger an die Hamburger Verbraucherzentrale. "Unsere Forderung ist, insbesondere bei der Onlinebuchung von Konzertkarten, sämtliche Kosten als Endpreis in der Werbung für die Karten anzugeben, da diese Kosten dann schon feststehen. Allerdings dringen wir mit dieser Ansicht bei den Gerichten bislang nicht durch. Aufgrund der fehlenden Erfolgsaussichten können wir in diesen Fällen wettbewerbsrechtlich nicht vorgehen", heißt es in der Antwort der Spezialistin für Verbraucherrecht.