Insekten-Plage

Auf der Suche nach Hilfe in ein Wespennest gestochen

Neuengamme. Auf der Suche nach Nahrung können Wespen zurzeit wieder zu den reinsten Plagegeistern werden. Im August erreicht ein Wespenvolk seine maximale Bestandsgröße. Bis zu 12 000 Tiere leben dann in einem Nest.

In der Regel gibt es keine Probleme, wenn sich ein Volk in Haus oder Garten angesiedelt hat. Aber nicht jeder Hausherr mag oder will sein Eigentum mit den Insekten teilen. Zu ihnen zählt Peter Bartels, der am vergangenen Sonnabend die ungebetenen Gäste in seinem Garten am Neuengammer Hausdeich entdeckte.

"Ich mähte den Rasen unter der Koreatanne, als mich plötzlich drei Wespen stachen", erzählt er. Die wollten wohl ihr Nest verteidigen, das "groß wie ein Fußball" in der Tanne hing. Der Neuengammer ging ins Haus und wählte die 112. "Wir machen das nicht mehr", sagte der Feuerwehrmann am anderen Ende. "Rufen Sie doch mal die 115 - das Bürgertelefon - an, das ist Tag und Nacht besetzt." Aber offenbar nicht am Sonnabend. Peter Bartels half sich selbst. Im Internet hatte er gelesen, dass sich Wespen nachts nicht aus ihrem Nest bewegen. So wartete er bis zur Dunkelheit, aber nicht, ohne sich zuvor Verstärkung geholt zu haben. Zu dritt lösten sie das Nest vom Baum, das unversehrt in einem Eimer landete, Folie drüber und ab ging's zur neuen Adresse des Wespenvolkes.

Soweit, so gut. Die Sache ließ Bartels aber trotzdem keine Ruhe. "Man muss doch in solchem Fall irgendwo Hilfe bekommen", sagt er. "Das Nest hätte ja auch auf einem Kindergartengelände hängen können." Am Donnerstag rief er wieder die 115 an und stach damit, ohne es zu ahnen, in ein Wespennest. Die Dame am anderen Ende der Leitung machte aus ihrem Erstaunen keinen Hehl: "Nein, das machen wir nicht." Aber sie könne ihn mit der zuständigen Abteilung in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) verbinden. Die neue Gesprächspartnerin zeigte sich eher genervt, dass sie "zurzeit so viele Anrufe wegen der Wespen" habe. Helfen könne sie ihm aber auch nicht, zumal das Ökoamt eingespart worden sei. Da Peter Bartels weiterhin wissen wollte, an wen er sich wenden kann, "wenn Gefahr in Verzug ist", rief er unsere Zeitung an.

"Wenn Lebensgefahr besteht, sind nach wie vor wir zuständig", sagt Manfred Stahl, Leiter der Feuerwehr-Pressestelle. "Angenommen, es hat sich während der Ferien im Eingang eines Kindergartens ein Wespenvolk angesiedelt, dann rücken wir an." Aber nur in diesen Fällen, betont er. "Ansonsten machen das Imker."

Kerstin Graupner, Sprecherin der Umweltbehörde, ist sich nach kurzer Rücksprache sicher: "Da es sich bei Wespen um keine besonders geschützten Tiere handelt, sind wir auch nicht zuständig." Vielmehr sollten Betroffene das Umwelttelefon unter der Nummer 34 35 36 anwählen oder die Umweltberatungsstellen der Bezirke anrufen.

"Das ist ja 'n Ding", sagt Helmut Hoffmann, Leiter des Fachamts Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt im Bezirksamt Bergedorf, als er die Empfehlung aus der BSU hört. "Das Umwelttelefon wurde Ende 2011 eingestellt." Auch die Umweltberatungsstelle in Bergedorf sei eingespart worden. Hoffmann macht sich auf die Suche im Internet. Unter www.hamburg.de geht er auf den "Behördenfinder", gibt das Suchwort "Wespen" ein und landet bei der zuständigen Einrichtung: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt - Abteilung Naturschutz, Telefon (040) 4 28 40-21 56. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Denn der Anrufer landet wieder bei der Dame, die sich schon bei Peter Bartels darüber beklagte, dass sie "zurzeit so viele Anrufe wegen der Wespen" habe.

Helmut Hoffmann jedenfalls empfiehlt, einen Kammerjäger oder Imker zu beauftragen. "Die stehen auf den Gelben Seiten."