Herrliche Aussichten

Staudengarten mitten auf der Autobahn 1

Moorfleet. Jetzt offenbart sich die ganze Pracht: Wer zurzeit die Autobahn 1 in Richtung Norden befährt, der sollte - spätestens in Höhe der Auffahrt zur A 25 - einen Blick nach links riskieren. In der Mitte der sechsspurigen Schnellstraße reiht sich eine Königskerze an die andere.

Zwei Meter hoch und mehr ragen die gelben Blütendolden in den Himmel. Doch nicht nur die Vertreter aus der Familie der Braunwurzgewächse, von denen viele Arten als Heilpflanzen verwendet werden, zeigen sich hier von ihrer schönsten Seite. Insgesamt wurden auf dem etwa 1000 Meter langen Abschnitt zwischen Brennerhofbrücke und Tunnel etwa 25 000 Stauden gepflanzt - ein Staudengarten mitten auf der A 1.

Angelegt wurde er bereits im vergangenen Frühjahr. Siegfried Rünger vom Fachamt Management des öffentlichen Raums im Bezirksamt Bergedorf erinnert sich nur zu gut an das mühevolle Unterfangen: "Jeden Tag mussten die linken Spuren in beide Fahrtrichtungen gesperrt werden." Um den Berufsverkehr nicht zu behindern, passierte das jeweils zwischen 9 und 15 Uhr. "Bis der Absperrer seine Arbeit erledigt hatte, blieben also keine sechs Stunden zum Pflanzen", sagt Rünger. "Entsprechend wurde auf Pausen verzichtet."

Zuerst tauschten die Mitarbeiter der beauftragten Firma Schlatermund aber den Boden aus. Anschließend setzten sie das Staudenkonzept "Silbersommer" Stück für Stück auf dem etwa zwei Meter breiten Streifen zwischen den Leitplanken um. Solitäre wie die Königskerzen gehören genauso dazu wie eine mittelhohe Begleitbepflanzung, die zum Beispiel aus Astern, Wildgeranien, Schafgarben und Gräsern besteht. Und natürlich Sedum: Der Bodendecker ist ein wahrer Überlebenskünstler, der auch dort noch wächst, wo andere Pflanzen sich nicht mehr wohlfühlen. Zum Schluss wurde das komplette Staudenbeet abgemulcht.

Ziel und Zweck dieses aufwendigen Projektes ist es, "die Unterhaltungsarbeiten auf ein Minimum zu reduzieren", sagt Rünger. "Es soll sich eine geschlossene Pflanzendecke bilden, die den Boden so beschattet, dass Unkräuter nicht mehr durchkommen und von daher eine weitere Pflege nicht mehr erforderlich ist - bis auf einen Rückschnitt im Herbst."

Entstanden ist die Idee zu dem Staudenkonzept bereits 2002, als sich der fünfjährige Ausbau der A 1 noch in der Planungsphase befand. Der für die Bauarbeiten zuständige Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) suchte nach einer möglichst pflegeleichten Lösung für den Mittelstreifen. "Da kam Gras nicht infrage", sagt Rünger, "denn das muss mindestens zweimal im Jahr gemäht werden." Da der LSBG über keinerlei Gärtner verfügt und ein Großteil der Fläche dieses Autobahnabschnitts auf Bergedorfer Gebiet liegt, erklärte sich der Bezirk zur Amtshilfe bereit. Im Frühjahr 2011 wurde der erste Teil des insgesamt 260 000 Euro teuren Staudenkonzeptes umgesetzt, in diesem Herbst folgt der zweite: "Dann bepflanzt die Firma Schlatermund den Abschnitt vom Tunnel bis zur Anschlussstelle Billstedt", sagt Rünger. Königskerze und Co. auf 5,5 Kilometer Länge - was für herrliche Aussichten.