Downburst

Wenn die Luft plötzlich ins Fallen gerät

Ochsenwerder. Entwurzelte Bäume, zerstörte Holzhäuschen, gekappte Stromleitungen: Das Unwetter vom Sonntagnachmittag hat am Overwerder Bogen auf kleinstem Raum erheblichen Schaden angerichtet.

"Es handelte sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um einen Tornado oder eine Windhose", sagt Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation (IWK) in Hamburg. Der Meteorologe geht vielmehr davon aus, dass ein "Downburst", eine extrem starke Fallböe, über das Deichvorland fegte.

Große Schäden richten beide an, der Fallwind ebenso wie der Tornado. So ist der stürmische Märzabend 2006, als ein Tornado in Spadenland und Tatenberg eine Schneise der Verwüstung schlug, sicher noch vielen Menschen in deutlicher Erinnerung. Auch damals knickten dicke Baumstämme wie Streichhölzer. Der Druck deckte zudem Hausdächer ab, ließ Hunderte Gewächshausscheiben bersten. Der Unterschied von damals zu Sonntag: Der Tornado wirkte großflächiger und wirbelte, sodass die Schäden in entgegengesetzten Richtungen zu finden waren. Der Fallwind am Sonntag hatte sich schon nach hundert Metern ausgetobt, die Schäden sind meist gleichförmig in Windrichtung gerichtet.

Doch was ist ein Fallwind und wie entsteht er? "Bei einem Downburst stürzen kleinräumig Luftmassen in hoher Geschwindigkeit zu Boden", erklärt Böttcher. Dies ist ein Ausgleich für Luftmassen, die an anderer Stelle sehr schnell in die Höhe transportiert werden.

Das Wetterradar zeigte den Experten bereits um 13.55 Uhr das "schwere Sturmereignis" über dem Overwerder Bogen. "Die Spitzen des kurzzeitigen, aber heftigen Sturmwindes dürften etwa 100 Kilometer pro Stunde erreicht haben", sagt Böttcher. Seinen Anfang nahm der "Downburst" schon auf der anderen Elbseite, südwestlich vom Overwerder Bogen. Dort hatte sich inmitten des flächendeckenden Regengebietes eine "Schauerzelle", also ein stärkeres Regengebiet gebildet, das sich wenig später auch schon wieder auflöste.

"Diese kurzlebige und heftige Turbulenz wurde verursacht durch einströmende Höhenkaltluft kurz vor einer heran nahenden Kaltfront", sagt Böttcher. Diese Kaltluft zog über die in mittleren Luftschichten noch einströmende feuchtwarme Luft. Über dem Overwerder Bogen ist die Warmluft dann sehr schnell in die darüber ziehende Kaltluft geströmt. Es entstand ein Unterdruck, der die unteren Luftmassen nach oben riss. Die Fallböe hat dieses "Luftloch" extrem schnell wieder gefüllt.

Derart starke und so kleinräumige Windereignisse sind nach der Erfahrung des Meteorologen bei diesen Wetterlagen extrem selten. Diese Böen, die nur wenige Minuten andauern, können nicht vorher gesagt werden, "deshalb kann vor solchen Ereignissen auch nicht gewarnt werden", sagt Böttcher.