Fähre

"Käpt'n Kudd'ls" Preisrätsel

Zollenspieker. Eine Fahrt mit der Zollenspieker Fähre zwischen Hoopte und Zollenspieker erspart dem Autofahrer viele Straßenkilometer, dauert nur wenige Minuten und kostet nicht die Welt. Eigentlich.

Das dachte sich auch Jens Nitsch, als er in seinem Pkw gemeinsam mit seiner Partnerin zu Pfingsten kurz nach 20 Uhr die Tour von Hoopte aus antrat. Mit etwa fünf Euro hatte der Gast aus Prenzlau gerechnet. Schon früher, während seiner Studienzeit in Bergedorf, hatte er die Fähre genutzt. Umso erstaunter war er über den stolzen Preis von 15 Euro, den er als "Sonderpreis für eine Fahrt außerhalb der normalen Fährzeiten", so der Kassierer, wie weitere drei Fährennutzer zahlen musste.

Die Recherchen von Jens Nitsch nach einer ausführlichen Preistabelle sowie eine Kontaktaufnahme zum Fährbetrieb verliefen im Sande, so wandte er sich schließlich an unsere Zeitung. Unsere Nachfrage ergab: Tatsächlich wurden 9,50 Euro zu viel kassiert. Laut Fährbetreiber Karl-Heinz Büchel ("Käpt'n Kudd'l") verlange er keine Sonderpreise. Er will die Angelegenheit nun intern klären, zudem das Geld zurückerstatten oder, so der Wunsch des Fahrgastes, für die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft spenden. Soweit so fein. Doch die Geschichte hat eine weitere Facette.

Denn der Fahrpreis war für Jens Nitsch nicht nachprüfbar. Sowohl in Hoopte, auf der Fähre und im Netz ist auf dem Auszug aus der Preistabelle nichts von Sonderpreisen zu lesen. Und schließlich suchte er bei seiner Ankunft in Zollenspieker eine Preisauskunft sogar völlig vergeblich. Damit ist er nicht allein. Auch andere Gäste vermissen einen Hinweis auf die Preise, weiß Hans Rischer aus Kirchwerder. Der 71-Jährige ist oft mit dem Rad am Zollenspieker und wird häufig der Fährpreise wegen angesprochen. "Als ich dann selbst einmal einen Mitarbeiter nach Preistafeln gefragt habe, sagte man mir: ,Das haben wir nicht nötig'", erzählt Rischer.

Das allerdings sieht Susanne Meinecke von der Behörde für Wirtschaft und Arbeit ganz anders: "Selbstverständlich müssen die Preisangaben schon an Land gut sichtbar platziert werden." Das sei ähnlich wie mit den notwendigen Preisangaben für das Gemüse auf dem Markt, wo auch niemand die Katze im Sack kaufen müsse.

Karl-Heinz Büchel gelobt Besserung, ging allerdings bisher davon aus, dass Gäste bei seinem Kiosk nach den Preisen fragen würden. Und: "Immer wieder sind mir hier die Aushänge kaputt gemacht und Schilder gestohlen worden. Da habe ich irgendwann aufgegeben und sie nicht mehr ersetzt", sagt er. Abhilfe sollen jetzt Aufsteller schaffen, die morgens herausgestellt und abends wieder hereingeholt werden. So können sich Gäste künftig tagsüber auch vor Fahrtantritt über die Kosten informieren.