Hengst-Fohlen

Kleiner "Hanseat" kann nun sein Leben lang identifiziert werden

Kirchwerder (kb). Hätte "Hanseat" gewusst, was ihn an diesem Tag erwartet, hätte er sich vielleicht gefürchtet. Doch so ist der kleine Hengst mit Mama "Weyda" ganz locker aus der Box marschiert und 15 Minuten später waren alle Infos für den Equiden-Pass, seinen ganz persönlichen Pferde-Ausweis aufgenommen, er hatte einen Mikrochip in der linken Halsseite und ein Brandzeichen auf der linken Hinterhand.

Doch von vorn: Der große Tag begann wie jeder andere, allein Mutter und Sohn blieben in der Box. Mit dem Auftritt von Gestütsoberwärter Elmar Sicke, der vom Landgestüt Celle angereist war, wurde alles anders. Der Pferdewirtschaftsmeister inspizierte den kleinen Hengst genau. Jede weiße Markierung des kleinen Braunen, der Stern auf der Stirn, die Schnippe an der linken Nüster, die weißen Fesseln wurden notiert. Auch die Fell-Wirbel über dem Stern und die beiden im Genick sind nun aktenkundig. Eine Haarprobe für die genetische DNA-Untersuchung landete im Plastiktütchen. "Jetzt mal nicht spielen", versuchte Züchter Herbert Putfarcken den kleinen Kerl ruhig zu halten, nahm ihn dann doch in die Arme. Denn Sicke rückte mit dem Mikrochip an. Die Haut gedehnt, die Kanüle gesetzt, ruhig und versiert setzte der den Chip ohne einen Tropfen Blut zu vergießen. Der Lütte schaute sich nicht mal um.

Genauso verblüffend schnell und eher unspektakulär bekam das Fohlen seinen Hannoveraner-Brand mit dem "H" und einer "77" als Registerzahl, die auf den Vater Hengst "Heinrich Heine" verweist. Kein rot glühendes Eisen, kein Schnauben, kein Wiehern, kein Bäumen, kein Ausschlagen, Das junge Pferd scheute nicht einmal. "Ruhe, kein Stress, keine Hektik. Pferde sind Fluchttiere reagieren auf die Unruhe", erläuterte Sicke. Nicht, dass das Brennen schmerzfrei sei, aber richtig gemacht sei die Verletzung in 14 Tagen verheilt und das Pferd könne sein Leben lang identifiziert werden.

"Das ist mit dem Chip nicht so. Es ist für einige Tiere mehr Stress, wenn man mit dem Lesegerät auf fünf Zentimeter ran kommen muss", sagt er und plädiert wie Putfarcken auch für die Abschaffung der Chip-Pflicht. Beim Brennen gäbe es keine Infektionen, beim Chippen sei das schon passiert. Dennoch ist mit dem neuen Tierschutzgesetz das Brennen verboten. Das Gesetz kommt nach der Sommerpause zur Beratung in den Bundestag.

Der tapfere Mini-Hannoveraner "Hanseat" jedenfalls hat es hinter sich und auch schon bald seinen "Perso", der ihn sein Leben lang begleiten wird.