Arbeitskreis

Wildgänse: Jetzt wird gehandelt

Fünfhausen. Das beschauliche Leben der Wildgänse in den Vier- und Marschlanden scheint sich dem Ende zuzuneigen. Auf Einladung der Landwirtschaftskammer Hamburg gab es bereits am 16. Mai einen ersten Arbeitskreis, an dem Vertreter der Umwelt- und Wirtschaftsbehörde sowie des Bauernverbandes und Landwirte teilnahmen.

"Dort wurden erste Lösungen erarbeitet, wie den ständig wachsenden Gänsepopulationen Einhalt geboten werden kann", berichtete Dr. Carola Bühler von der Landwirtschaftskammer im Regionalausschuss.

Zuvor stellte sie dem Ausschuss aber eine Dokumentation vor, die die Schäden durch Gänse am Beispiel von Winterweizen und Grünland aufzeigt - exemplarisch für einen Betrieb. Von April bis August 2009 beobachtete Bühler die Entwicklung eines Weizenfeldes in Kirchwerder (östlich des Seefeldes) und einer Grünlandfläche in Reitbrook (Kleiner Brook). "Die Fraßschäden am Winterweizen führten zu knapp 25 Prozent weniger Ertrag", sagte Bühler. Das Grünland hingegen sei so stark verkotet gewesen, dass es als Futtermittel nicht mehr taugte. "Sind die Schäden wirklich so besorgniserregend", fragte Rolf Wobbe (GAL) eher skeptisch. "Die Spanne reicht von gar nicht bis stark geschädigt", antwortete Bühler.

Was also tun? Und wie viele Grau- und Kanadagänse vertragen die Vier- und Marschlande überhaupt? Fragen über Fragen. Zumal sich schon das nächste Problem anbahnt. "In Hamburg entsteht eine neue Gänsepopulation: Nilgänse", sagte Michael Quermann von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Wie das denn sein könne, kam es fragend aus der Politikerrunde. "Den Anfang machen meistens Volieren-Flüchtlinge, so war es auch bei den Kanadagänsen", sagte Quermann.

Ein Grund mehr, das Problem anzupacken, so die einhellige Meinung. Manche hielten gar eine Dezimierung der Wildvögel um bis zu 80 Prozent für geboten. Peter Gabriel (SPD) konnte sich mehr mit dem "Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen anfreunden", so wie es der Arbeitskreis in der Landwirtschaftskammer vorschlägt. Danach sollen die Brutplätze weniger attraktiv gemacht werden, indem Inseln mittels Stegen mit dem Land verbunden und so auch für Füchse zugänglich gemacht werden. Das Aufstellen von Fuchsattrappen wird genauso als probates Mittel empfohlen wie das Verkleinern der Gelege durch Einsammeln der Eier. Schließlich sollen die Jagdzeiten - zurzeit zweieinhalb Monate - verlängert und Ersatzflächen angeboten werden, die von den Getreidefeldern ablenken. Ebenso sollen die rechtlichen Grundlagen für Entschädigungen geprüft werden. "In Schleswig-Holstein wird entschädigt", sagte Dr. Carola Bühler. "Wieso können die das und wir nicht?"

Die Mitglieder des Regionalausschusses kamen überein, keinen eigenen Arbeitskreis zum Thema "Gänse" zu bilden, so wie es ein SPD-Antrag vorsah. Vielmehr wollen sie sich dem bereits vorhandenen Gremium mit jeweils einem Vertreter aus jeder Partei anschließen. Auch Bezirksamtsleiter Arne Dornquast signalisierte die Mitarbeit seitens der Verwaltung.