Naturschutz

Schlam(m)pige Arbeit abgeliefert

Curslack. Der Anblick ist erbärmlich. Tote Fische treiben mit dem Bauch nach oben am Wehr des Hauptwassergrabens auf dem Gelände des Wasserwerks Curslack. Dunkler Schlamm türmt sich bis zu 30 Zentimeter hoch auf einer Breite von drei Metern am Ufer.

Große Teichmuscheln, Gewässertiere und Bodenfauna sind in den Schlammbergen verendet. "Hier ist im großen Stil geräumt worden - artenschutzrechtliche Belange wurden dabei nicht berücksichtigt", sagt Reinhard Grosch, Leiter des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Bergedorf.

Weil geschützte Arten wie die Große Teichmuschel (Anodontina), die Malermuschel und vermutlich auch Schlammpeitzger durch das Ausbaggern getötet wurden, erstattete Grosch bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) Anzeige wegen Verstoßes gegen Paragraf 39 des Bundesnaturschutzgesetzes. Die BSU veranlasste die sofortige Stilllegung der Baustelle. Mitarbeiter der Behörde begutachteten gestern das Gelände zur Beweissicherung. "Wir haben ebenfalls bei der für derartige Ermittlungen zuständigen Wasserschutzpolizei Strafanzeige erstattet", sagt Grosch.

Die Gräben rund um das Gelände des Wasserwerks Curslack wurden einst künstlich angelegt, um die Bewässerung der umliegenden, teils landwirtschaftlich genutzten Flächen zu gewährleisten. Hamburg Wasser obliegt als Eigentümer die Pflicht, für den einwandfreien Zustand der Gräben zu sorgen. "Das bedeutet bis zu dreimal jährlich entsprechende Reinigungsarbeiten", sagt Sprecher Ole Braukmann, die von einer Fachfirma erledigt würden. "Eine unsachgemäße Ausführung dieser Arbeiten ist uns bislang nicht bekannt."

Die Gräben und das Gelände rund um das Curslacker Wasserwerk sind besonders artenreich, weil dieses Gebiet von Umwelteinflüssen wie Landwirtschaft und Verkehr weitgehend unbehelligt bleibt. "Durch die unsachgemäße Gewässerentschlammung ist das Bachbiotop für lange Zeit vernichtet worden", sagt Naturschützer Grosch.

Dass Grabenpflege erforderlich ist, um einen guten Durchfluss zu gewährleisten, daran zweifelt wohl niemand. Allerdings kommt es auf den richtigen Zeitpunkt und die Art und Weise der Grabenpflege an. "Statt einer Kompletträumung im Mai - wie jetzt im Fall des Hauptwassergrabens zwischen Curslacker Heerweg und Gammer Weg - wäre eine halbseitige Räumung in den Wintermonaten schonender gewesen", sagt der Naturschützer. Unbedingt erforderlich sei eine vorherige Überprüfung des Arteninventars. Der Fischbestand könnte dann mit Elektrobefischung in andere Teilabschnitte getrieben werden. "Zudem sollte ein Arbeiter mit dem Bagger mitlaufen und Muscheln sowie andere Lebewesen, die mit dem Aushub an Land geraten, wieder ins Wasser setzen", sagt Grosch.

Besonders pikant: Ein Vertreter der BSU hatte im vergangenen Jahr vor Mitarbeitern von Hamburg Wasser einen Vortrag über die Gefährdung heimischer Süßwassermuschelarten gehalten.

"Eine unsachgemäße Ausführung dieser Arbeiten ist uns nicht bekannt."

Ole Braukmann, Sprecher Hamburg Wasser