Infoabend

Planer konnten Angst nicht nehmen

Bergedorf. Zwischen den Planern der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) und den Menschen im Landgebiet liegen Welten. Das wurde erneut deutlich beim dritten und letzten BSU-Infoabend im Bezirk zum Thema "Eignungsgebiete für Windenergieanlagen in Hamburg", hier speziell Curslack und Altengamme.

Staatsrat Volker Lange etwa überraschte die riesige Resonanz im bestens gefüllten Saal des Lichtwarkhauses und er entdeckte auch Zuhörer, die bereits bei den beiden anderen Infoabenden dabei waren. Doch für die Menschen im Landgebiet ist die Ausweisung von Eignungsgebieten eben viel mehr als ein Planspiel am grünen Tisch. Und sie interessiert nicht nur, was direkt vor der Haustür passiert, sondern auch nebenan.

Gegensätzlich auch dies: Frohlocken Politik und Hochschule für Angewandte Wissenschaften über neue Arbeitsplätze und ein hochinteressantes Forschungsfeld im neuen Curslacker "Windcampus" und freut die Planer, dass sie alle gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte einhalten, so haben die Anwohner vor allem eines: Angst. Angst vor Lärm, Angst vor Infraschall und gesundheitliche Folgen, Angst, dass am Ende "die ganze Hand nimmt, wem man den kleinen Finger gibt". Und diese Angst konnten die Planer nicht nehmen, im Gegenteil.

So wurde immer wieder klar, dass ihnen das Gebiet, das sie überplanen, nicht nah ist. Sie wussten nichts von Speditionen am Horster Damm, orteten bestehende Windräder anderswo, nannten schon mal falsche Straßennamen. Tatsächlich war dies für ihre Aufgabe auch nicht entscheidend, schürte aber Misstrauen im Publikum.

Fakten sind: Das Eignungsgebiet Curslack liegt südlich der Anschlussstelle Bergedorf an der Autobahn 25, östlich Curslacker Neuer Deich und nördlich vom Fassungsgelände des Curslacker Wasserwerks. Hier ist der Bau von fünf Windenergieanlagen angestrebt, 100 eventuell 120 Meter Nabenhöhe plus 100 Meter Rotor. Die Abstände zu Einzelhäusern und Siedlungen sind wie auch in den anderen angestrebten Eignungsgebieten mit mindestens 300 beziehungsweise 500 Metern vorgegeben. Dort darf Schall von den Anlagen nur mit maximal 45 dB (A) ankommen (in reinen Wohngebieten nur 40 dB (A)). Andere Schallquellen, etwa der Verkehrslärm von der Autobahn, werden dabei nicht berücksichtigt. Zur Belastung mit Schattenwurf gilt, wie bei allen Gebieten im Landgebiet, maximal 30 Minuten am Tag oder meteorologisch wahrscheinlich acht Stunden im Jahr.

Das Altengammer Gebiet liegt in der Verlängerung vom Achterschlag zwischen Horster Damm im Norden und dem Fassungsgelände des Wasserwerks im Süden. Drei parallel in Nord-Süd-Richtung verlaufende Streifen für bis zu zehn Anlagen sind geplant. Die bei den Infoabenden verwendeten Präsentationen der BSU sollen demnächst im Internet abrufbar sein unter http://www.hamburg.de/flaechennutzungsplan/3297788/2012-windenergie-bergedorf2.html . Die Planer streben an, die Entwürfe zur Änderung des Flächennutzungsplans und des Landschaftsprogramms noch vor den Sommerferien fertigzustellen, damit sie vier Wochen lang öffentlich unter anderem im Bezirksamt Bergedorf ausgelegt werden können (aber nicht nur während der Ferienzeit). Das genaue Datum wird noch bekannt gegeben. Dann haben alle Bürger die Möglichkeit, die Entwürfe einzusehen und Stellungnahmen abzugeben. Letztlich entscheiden Senat und Bürgerschaft über die endgültigen Bauleitpläne.

Wer Fragen hat, kann sich an die BSU, Amt für Landes- und Landschaftsplanung, wenden, Telefon (040) 428 40-82 39 (Bruns) oder die Durchwahl -80 54 (Rasuli), E-Mail: LP3@bsu.hamburg.de .