Stadtteil-Serie: Moorfleet

Ein Stadtteil im steten Wandel

Moorfleet (wi). Mit gut 27 000 Menschen stellen die Vier- und Marschlande nur ein knappes Viertel der Bevölkerung im Bezirk Bergedorf, nehmen aber mehr als 80 Prozent der Fläche ein. Somit verfügen die Bewohner über sehr viel Platz.

Dies und weitere Besonderheiten belegen die Zahlen der "Hamburger Stadtteil-Profile 2011", die das Statistikamt Nord bereits im 15. Jahr veröffentlicht. Wir stellen jeden Mittwoch einen der elf Stadtteile vor. Heute: Moorfleet.

Wohl kaum ein anderer Stadtteil im Landgebiet veränderte während der vergangenen Jahrzehnte so sehr sein Gesicht wie Moorfleet. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden die ersten sechs Häuser der Bille-Siedlung, deren Zahl bis 1963 auf 264 stieg. Ebenfalls Anfang der 60er-Jahre wurde die Autobahn 1 gebaut, die fortan das Dorf durchschnitt. Ende der 80er-Jahre dann die Schreckensnachricht: Der Boden der Bille-Siedlung, in der überwiegend Boehringer-Mitarbeiter wohnten, war hochgradig mit Dioxin, Arsen, Cadmium und Quecksilber belastet.

Nach jahrelangen, zermürbenden Verhandlungen mit den Behörden über Abriss oder Sanierung konnten die Mitglieder der "Aktion Bille-Siedlung" 105 Häuser erhalten. Die Gebäude am ehemaligen Vorlandring waren aber nicht mehr zu retten. Dort befindet sich heute der Golfplatz, der aus dem verseuchten Boden gestaltet und anschließend abgedichtet wurde. Die nächsten einschneidenden Veränderungen in dem mit 4,3 Quadratkilometern eher kleinen Moorfleet kamen mit dem Schlickhügel Feldhofe, dem Bau von Ikea, der Gewerbeansiedlung an der Amandus-Stubbe-Straße und dem sechsspurigen Ausbau der A 1. Zurzeit entsteht an der Ecke Brennerhof/Sandwisch das Kompetenz- und Beratungszentrum für Gartenbau und Landwirtschaft. Schräg gegenüber laufen die vorbereitenden Arbeiten für ein weiteres Gewerbegebiet - argwöhnisch beäugt von den Moorfleetern.

Der kleine Stadtteil an der Grenze zum Bezirk Mitte zählt 1130 Einwohner. Sie leben in 485 Gebäuden. Die durchschnittliche Wohnungsgröße der 540 Haushalte beträgt 90,1 Quadratmeter - darunter keine Sozialwohnung. Ein Quadratmeter Bauland kostet 105 Euro, verglichen mit dem Hamburger Durchschnittspreis in Höhe von 336 Euro sehr günstig. Die unter 18-Jährigen machen einen Anteil von 17,9 Prozent aus, die der 65-Jährigen und Älteren 15,5 Prozent. Mit Ausnahme der 23 Handwerksbetriebe verfügt Moorfleet über keinerlei Infrastruktur. Bei 570 privaten Pkw besitzt fast jeder zweite Einwohner ein Auto.