Kleingärtner

Bald ist Frühling: Schreber packen nun die Pflanzen aus

Curslack. Die Vögel zwitschern es von den Bäumen - Frühling liegt in der Luft. Gartenfreunde und Schrebergartenbesitzer hält es nicht mehr drinnen. "Eigentlich beginnt die Saison erst Anfang April, aber viele unser fast 400 Mitglieder sind schon fleißig", sagt Gabriele Klein vom Vorstand der "Gartenfreunde Pollhof".

So wie Familie Nack aus Bergedorf, die erst vergangenen Oktober eine 460 Quadratmeter große Parzelle direkt am Wasser übernommen hat. Gerade pflanzen Michaela Nack (44) und ihre Tochter Madita (11) im neuen Gewächshaus Kohlrabi. Mangold, Feldsalat und Radieschen sind bereits ausgesät. Auch die Freilandbeete für Kartoffeln, Erbsen und Möhren sind vorbereitet. Die Obstbäume wurden schon im vergangenen Herbst ausgeschnitten, der Baumschnitt darf jetzt verbrannt werden. Uwe Nack (44) hat gerade einen neuen Bootssteg gebaut, arbeitet nun am Gartenhaus. Familie Nack "gärtnert" aus Überzeugung ohne Pestizide und Düngemittel. "In Kleingärten wird generell nur ökologisch gearbeitet, außerdem liegen wir im Wasserentnahmegebiet", sagt Michaela Nack.

Gemüseanbau ist für sie Neuland. "Eigentlich bin ich ein totales Greenhorn, aber ich experimentiere gern", sagt die Bergedorferin, die bereits viele Gartenbücher gewälzt hat. Gute Anbau-Tipps holt sie sich vor allem vom Bergedorfer Wochenmarkt. Michaela Nack: "Hier verkaufen noch die alten Vierländer Gemüsebauern. Die wissen am besten, wie Gemüseanbau geht."

In Deutschland gibt es eine Million Kleingärten. In Hamburg existieren 33 740 Parzellen von Gärtnern, die im Landesbund der Gartenfreunde organisiert sind. Weitere 1500 Parzellen in Hamburg gehören Kleingärtnern, die Mitglied im Verein Bahn-Landwirtschaft sind.

Im Bezirk Bergedorf sind die Schreber in 33 Vereinen mit etwa 4450 Parzellen organisiert. Sie bewirtschaften mehr als 1,7 Millionen Quadratmeter Fläche. Der Löwenanteil liegt in den Vier- und Marschlanden.

In ihrer Parzelle am Pollhof erfreuen sich Gabriele Klein und ihr Mann Wolfgang, der gerade zum Vorsitzenden der "Gartenfreunde Pollhof" gewählt wurde, an den reich blühenden Schneeglöckchen. Viele Pflanzen sind noch gut eingepackt als Schutz vor Kälte, aber auch vor Rehen, die gern erstes Grün und Knospen wegknabbern. Beide sind seit drei Jahren überzeugte Kleingärtner in der Kolonie von 1923 am Pollhof, die auf einer Größe von 152 861 Quadratmetern über 320 Parzellen, Grünanlagen, Parkplätze und ein stattliches Vereinshaus zum Feiern verfügt.

Der neue Vorstand mit Ehepaar Klein und Kassierer Peter Schröder (61) will in der Gartenkolonie das Vereinsleben ordentlich ankurbeln. Für mehr Kontakt der Mitglieder untereinander sind monatliche Aktivitäten geplant - etwa das "Angrillen" am 24. März, Ausfahrten, ein Flohmarkt und Kinderfest sowie eine große Pflanzentauschbörse im Herbst. "Dazu werden wir auch Gäste einladen", sagt Gabriele Klein.

Sie wünscht sich mehr junge Menschen, die Spaß an Gartenarbeit und Gemüseanbau haben. Die meisten Mitglieder seien Rentner, viele bereits seit 30 bis 50 Jahren dabei. "Unser Herr Schröter klettert mit 87 Jahren noch in seinen Apfelbaum", sagt Wolfgang Klein. Vielfältig sei vor allem das Fachwissen, das viele Mitglieder - ein Drittel kommt aus Russland - in die Kolonie bringen. "Wir haben hier Imker mit spezieller Königinnenzucht, Tomatenzüchter mit besonderen Sorten, aber auch viele Menschen, die hier ein künstlerisches Hobby pflegen", sagt der Vorsitzende.

Seine Frau Gabriele würde es begrüßen, wenn auch Behinderten-Einrichtungen Parzellen mieten. "Viele Grundstücke sind für Menschen mit Handicap gut zu erreichen", sagt sie. "Die Natur, frische Luft und das gemeinsame Gärtnern tut jedem gut."

Wer Lust auf einen eigenen Garten bekommen hat, kann "einsteigen": Am Pollhof sind derzeit sieben Parzellen frei.

Kontakt per E-Mail an wolfgang.pollhof@yahoo.de .