Windkraft

Anwohner trauen Prognosen nicht

Neuengamme. Großer Andrang auch beim zweiten Informationsabend zum Thema "Eignungsgebiete für Windenergieanlagen in Hamburg": Im "Corslaker Landhuus" ging es nun um das Eignungsgebiet Neuengamme.

Dort sollen die zwölf Windräder, die vor 16 Jahren zwischen Neuengammer Marschbahndamm und Neuengammer Hauptdeich aufgestellt wurden, durch sechs größere und leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden (Repowering).

Mehr als 100 Besucher ließen sich von acht Experten der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), darunter Staatsrat Holger Lange, über die Pläne informieren. Etwa die Hälfte der Anwesenden lebt in Neuengamme - und ist fast ausnahmslos gegen den Ausbau der Windkraft vor der eigenen Haustür. Dies hatten die Besucher auch ausgiebig auf Pinnwänden kundgetan. "Nicht noch lauter + längere Schatten", "Wertverlust für Grundstück/Immobilie?", "Elektrosmog?", "Gewinn vor Umwelt?" oder "Lieber mehr Kleine" stand auf Zetteln, die die Windkraft-Gegner am frühen Abend an die Wände gepinnt hatten.

"Warum werden nicht Offshore-Anlagen in der Nordsee aufgestellt?", wollte ein Besucher wissen. "Weil es sich bei dem kleinen Hamburger Areal um Neuwerk um einen Nationalpark, also ein Naturschutzgebiet handelt. Außerdem hapert es an den Leitungen", antwortete Staatsrat Lange.

Die BSU-Mitarbeiter bemühten sich, den Anwesenden ihre Ängste zu nehmen und Vorbehalte abzubauen: Probleme mit dem Artenschutz werde es nicht geben, erklärten die Experten: Betroffen seien nur Fledermäuse, doch "die fliegen im unteren Level der Anlagen".

Mit 45 Dezibel seien die Anlieger am Kiebitzdeich von dem Lärm der neuen, 150 Meter hohen Windräder am stärksten betroffen. Ausgegangen wurde bei den Prognosen von Windstärke fünf. "Und was ist bei sechs?", rief ein Anlieger. Bei höheren Windstärken würden die Anlagen abgestellt. Dies sei gesetzlich vorgeschrieben, entgegneten die Experten. Doch die Neuengammer gaben sich damit nicht zufrieden: "An wen können wir uns wenden, wenn sich ihre Prognosen am Ende als falsch erweisen?"

Eine Benachteiligung für die Gesundheit könne ausgeschlossen werden, hieß es von den Behördenmitarbeitern. Jedoch sei das Argument "sieht blöd aus" nicht zu widerlegen.

Wolfgang Stiller, stellvertretender Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, erntete lautes Gemurmel und hämische Kommentare einiger Besucher, als er verriet, dass er und seine Kollegen sich dem Projekt "nicht völlig sperren wollen". Stiller: "Wir wollen den Energiewechsel in Hamburg - und es gibt nicht viele Alternativen." Dabei hätten die Mitarbeiter der Gedenkstätten lange über die Riesen-Windräder nachgedacht und sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht: "Schließlich wollen wir hier weiterhin ein würdiges Gedenken ermöglichen."

Im Juli werden die Entwürfe zur Änderung des Flächennutzugsplans und des Landschaftsprogramms in der BSU, Alter Steinweg 4, und im Bergedorfer Bezirksamt, Wentorfer Straße 38 a, öffentlich ausgelegt.

Der nächste und letzte Informationsabend ist am Montag, 19. März, 18.30 Uhr, im Lichtwarkhaus an der Holzhude 1. Dann geht es um die Eignungsgebiete Curslack und Altengamme. Ab 18 Uhr liegt Anschauungsmaterial aus. Weitere Informationen gibt es im Internet: www.hamburg.de/flaechennutzungsplan/2639986 .