Sanierung

Rost hat keine Chance mehr

Ochsenwerder (wi). Wie jede Elbfähre ist auch die MS "Harmonie" ein richtiges "Arbeitstier". Seit sie 2001 in Dienst gestellt wurde, verkehrt sie Tag für Tag meist auf der Linie 62 zwischen den Landungsbrücken und Finkenwerder - und das bei Wind und Wetter.

Knapp 400 000 Gäste befördert die Hadag-Fähre im Jahr. Das sind fast 800 000 Schuhe, die bei Schietwetter Nässe, Schneematsch und Salz an Bord bringen. Diese Feuchtigkeit greift auf Dauer jeden Stahl an. Vor allem der Eingangsbereich, den jeder Fährgast passiert, ist betroffen, aber auch andere Abschnitte werden strapaziert - etwa die Wege zu Oberdeck, Stühlen und Toiletten. Die Folge: Trotz eines Kunststoffbelags bahnt sich das Wasser im Laufe der Zeit einen Weg zum Schiffsstahl und lässt ihn korrodieren. Der Rost fängt an zu blühen, und es bilden sich Beulen, die den Belag über kurz oder lang hochdrücken.

Für die "Harmonie" - sie war 2001 das erste Serie-2000-Schiff, das die SSB-Werft baute - ist nach gut zehn Jahren die Zeit gekommen, dass der Rost entfernt werden muss. Bislang ging das Team der Spezial-Schiffbau-Werft am Oortkatenufer so vor, dass es Roststellen auf den Schiffsböden in Etappen bearbeitete. "Immer wenn eine Fähre ohnehin überholt wurde, haben wir gleich einen Abschnitt des Bodens mitgemacht", sagt Schiffbaumeister Martin Kulczynski. Dieses Flickwerk könnte nun ein Ende haben. Denn Kulczynski und sein Team entwickelten ein neues Verfahren, das dem Rost keine Chance mehr geben soll.

Der Schwingboden des Hauptdecks besteht aus drei Schichten Stahl, eine 60 Millimeter dicke Dämmung und noch mal Stahl. "Das Fatale ist: Rostet die obere Stahlschicht, dann dringt die Feuchtigkeit auch in das Dämmmaterial und von dort in die untere Stahlschicht", sagt Kulczynski. "Und an die ist nur schwer heranzukommen."

Entsprechend sollte der obere Stahl so gut versiegelt sein, dass er möglichst gar nicht rostet. Um dieses Prinzip in die Tat umsetzen zu können, muss der Stahl in seinen Ursprungszustand - metallisch rein - versetzt werden. "Die Vorarbeiten sind am arbeitsintensivsten", sagt Kulczynski. "Zuerst musste das komplette Hauptdeck leer geräumt werden." Anschließend wurden der Kunststoffbelag im Antico-Design entfernt, Kleber und Rost mühevoll abgeschliffen.

Erst danach konnten sich der Meister und sein Team an die Versiegelung machen. Auf den Schutzanstrich folgte eine Schicht aus Polyurethan, die an den Seiten etwas hochgezogen wurde. Auch der Zwei-Komponenten-Kleber für den neuen Antico-Design-Belag wollte gut ausgesucht sein. "Er muss sowohl Sonne als auch Kälte vertragen", sagt Kulczynski.

Mittlerweile ist der Auftrag erledigt. Das Hauptdeck der "Harmonie" präsentiert sich mit einem schicken neuen Boden, den so schnell keine Rostbeule wellt.