Ehrenamt

"Plattsnakern" läuft die Zeit davon

Bergedorf. Die "Plattsnacker", die sich seit mehr als vier Jahren für den Erhalt der niederdeutschen Sprache engagieren, fühlen sich von den Behörden allein gelassen. Oft müssten sich die 16 Senioren bei den Schulen anbiedern, um die Kinder dort spielerisch unterrichten zu können.

"Die Schulen tun sich schwer", sagt Günter Eggers (70). Der Altengammer organisiert die ehrenamtlichen Einsätze der "Plattsnacker". Eggers wünscht sich einen ständigen Ansprechpartner im Bezirksamt: "Der Plattdeutsch-Unterricht in den Schulen müsste dort auf eine höhere Ebene gehoben werden. Damit sollte jemand als Koordinator beauftragt werden." Auch von der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) gebe es keine klaren Ansagen, wie der Niederdeutsch-Unterricht in den Grundschulen organisiert und inhaltlich gefüllt werden soll.

Dabei sind sechs Grundschulen in den Vier- und Marschlanden seit August 2010 verpflichtet, Niederdeutsch anzubieten. Die Schulbehörde muss diese Sprache als bedrohtes europäisches Kulturerbe in die Unterrichtspläne integrieren, so verlangt es die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen.

Im Bezirksamt bietet Sven Dahlgaard, Fachamtsleiter Sozialraummanagement, Hilfe an: "Wir können zwischen den Ehrenamtlichen und den Schulen vermitteln, wenn es Probleme gibt, unterstützen wir die 'Plattsnacker' gern."

Doch weil sie bei der Organisation des Unterrichts bisher kaum Unterstützung bekamen, zieht vorerst weiterhin Günter Eggers die Fäden: "Wir führen derzeit Gespräche mit dem Sportclub Vier- und Marschlande, der für die Nachmittagsbetreuung an der Schule Zollenspieker verantwortlich ist. Geplant ist, dort auch nachmittags 'Plattsnacker' einzusetzen", sagt der 70-Jährige. Seine Frau Helga (70) unterrichtet dort bereits seit zehn Jahren vormittags Kinder op Platt.

Denkbar seien auch weitere Einsätze in Zusammenarbeit mit dem SCVM. Denn der Verein ist an anderen Schulen im Landgebiet ebenfalls als Partner für die Nachmittagsbetreuung im Gespräch.

Derzeit sind die "Plattsnacker" neben der Grundschule Zollenspieker auch an den Schulen Ochsenwerder und Curslack-Neuengamme regelmäßig im Einsatz. Außerdem besuchen die Senioren drei Kindertagesstätten in Kirchwerder und Ochsenwerder.

In der Grundschule Fünhausen-Warwisch bietet eine Lehrerin, die selbst Platt spricht, Niederdeutsch als Wahlpflichtfach für die Klassen drei und vier an. In Altengamme besucht die Großmutter einer Schülerin wöchentlich Erst- und Zweitklässler. "Außerdem arbeiten wir immer wieder Projektgebunden mit den 'Plattsnackern' zusammen", sagt Lehrerin Dorothea Ripoche. In Projektwochen und an vier bis sechs Wochen pro Halbjahr auch während der normalen Unterrichtszeit lernen die Kinder an der Grundschule Kirchwerder Niederdeutsch. Den Unterricht gestaltet eine Lehrerin.

An der benachbarten Stadtteilschule Kirchwerder plant Uwe Timmermann zum nächsten Schuljahr Plattdeutsch-Unterricht in einem Neigungskurs. "Wir müssen sehen, wie das Interesse bei den Schülern ist und für welche Jahrgänge so ein Angebot sinnvoll ist", sagt der Leiter.

Eggers und seine Mitstreiter sind aus gutem Grund ungeduldig: "Die meisten 'Plattsnacker' sind um die 70. Noch sind wir rüstig und mobil, können die Kitas und Schulen besuchen. Aber in einigen Jahren kann das anders aussehen. Uns läuft die Zeit davon. Unter solchen Voraussetzungen ist es um den Erhalt dieser Sprache schlecht bestellt", sagt der Altengammer.