Verkehr

Süderquerweg wie ein "Highway"

Kirchwerder. Max ist sechs Jahre alt. Wenn er mit seinem Roller am Süderquerweg Höhe Haus Nummer 248 auf dem Rad- und Gehstreifen steht und die Straße queren will, dann rauschen nicht nur viele schnelle Autos an ihm vorbei.

Manches Mal muss Max auch zurückspringen. Denn immer wieder nutzen Autofahrer den etwa zweieinhalb Meter breiten Seitenstreifen als Ausweichfläche: verboten und brandgefährlich - nicht nur für Max.

Oft wollen Autofahrer, die aus Richtung Ochsenwerder kommen, mit dem Manöver entgegenkommenden Pkw das Überholen der auf deren Seite parkenden Autos und Lkw ermöglichen, ohne selbst anhalten zu müssen. Manche Fahrer werden aber auch ins Abseits gezwungen, wenn die eigentlich wartepflichtigen Überholer zügig in den Gegenverkehr hineinfahren. "Die Situation ist für uns Anwohner sowie für alle Benutzer des Geh- und Radweges auf Dauer nicht zumutbar und gefährlich geworden", sagt Thomas Meyns, der sich bereits hilfesuchend an Ortspolitiker und die Polizei gewendet hat.

Anwohner Thorsten Neumann hat erlebt, dass er beim Rausstellen von Müllbehältern von ausweichenden Autos "fast schon abgeschossen" worden wäre. Und es wird immer schlimmer. Familie Meyns lebt schon seit 30 Jahren am Süderquerweg und registriert den stetig zunehmenden Verkehr mit wachsender Sorge. Konnte die große Tochter vor einigen Jahren am Süderquerweg noch allein das Radfahren lernen, sei dies für die Jüngeren heute völlig unmöglich. Unmittelbar vor ihrer Haustür hat es im vergangenen Jahr schon vier Mal gekracht. Nicht nur Autos wurden bei den Unfällen beschädigt, auch Menschen wurden verletzt. Nadine Steffen, Mutter von zwei kleinen Kindern, empfindet den Süderquerweg mittlerweile als "Highway". Autofahrer nutzten den Gehweg nicht nur als Überholspur, sondern auch als Parkfläche, schüttelten über Fußgänger den Kopf, die ihn selbst nutzen oder gar die Straße queren wollen.

Offenbar ist vielen Fahrzeugführern gar nicht klar, dass der Seitenstreifen ein Gehweg ist. Dabei weisen mehr als genug Schilder darauf hin, und besagt die durchgezogene Linie zwischen Fahrspur und Gehweg klipp und klar: Hier haben Autoreifen nichts zu suchen, weder fahrend noch parkend. Das bestätigt auch Hans-Jürgen Gäth vom Polizeikommissariat 43. Er versichert, dass er sich um das Problem kümmern will: "Wir haben die Sache am Haken." Auch CDU-Verkehrsexperte Jörg Froh und Peter Gabriel von der SPD wollen sich der Sache annehmen.

Was an der Stelle jedoch sinnvoll ist, müsse geprüft werden. Die Anwohner favorisieren das Setzen von Leitpfosten. Tatsächlich stehen solche Pfähle bereits an einigen Stellen des Süderquerwegs, etwa in Kurven. Allerdings muss für ihren Einbau ein 60-Zentimeter-Abstand von der weißen Linie eingehalten werden, was den Geh- und Radweg einengt. Sie gelten innerorts nicht als optimale Lösung. Denkbar wäre zur besseren Markierung des Geh- und Radwegs auch eine "Nagelung" des Streifens, also das Setzen von Metallplaketten auf dem Boden, wie am Curslacker Deich. Ob dies oder auch die verstärkte polizeiliche Überwachung langfristig zum Erfolg führen würden, ist aber fraglich.

Leicht umzusetzen wäre dagegen diese Idee: Lkw und Anwohner-Autos parken auf der anderen Fahrbahnseite des Süderquerwegs, natürlich ohne Nutzung des per weißer Linie abgegrenzten Gehwegs. Aus Richtung Zollenspieker kommende Autos werden sicher nicht über die erhöhte Bordsteinkante und den Gehweg ausweichen, um entgegenkommenden, überholenden Autos Platz zu machen.