Mitgliederversammlung

Bauernverband: Stoppt den Landfraß

Tatenberg. Heinz Behrmann rechnete vor: "Jedes Jahr gehen in Hamburg 210 Hektar produktive Fläche verloren", sagte der Präsident des Bauernverbandes Hamburg bei der Mitgliederversammlung im Fährhaus Tatenberg.

"Das bedeutet, im Jahr 2048 wäre Schluss. Dann sind alle wertvollen Äcker und Wiesen entweder Ausgleichsflächen oder aber bebaut." Entsprechend schlossen sich die Hamburger Bauern der bundesweiten Verbandskampagne "Stoppt Landfraß" an. "Noch haben wir genug Fläche", sagte Behrmann. Damit das auch so bleibt, führte der Verband erste Gespräche mit Verantwortlichen der neuen Hamburger Regierung, "um einen Pflock einzuschlagen".

Umso ärgerlicher, wenn wertvolle landwirtschaftliche Flächen permanent unter Wasser stehen, wie es in weiten Teilen der Vier- und Marschlande seit Wochen der Fall ist und sich fast jährlich wiederholt. Da kam es den Landwirten gerade recht, dass Arne Dornquast zu Gast war. Der Bezirksamtsleiter, seit gut einem halben Jahr im Amt, wollte sich vorstellen und über die weitere Entwicklung Bergedorfs Auskunft geben.

Das tat er zunächst auch. Von den 600 Wohnungen, die pro Jahr im Bezirk gebaut werden sollen, käme ein Sechstel in die Vier- und Marschlande. Das Gewerbeflächen-Konzept sieht zwei größere Gebiete für das Landgebiet vor: südlich des Umschlagbahnhofs in Billwerder und im Bereich Dweerlandweg/Neue Feldhofe. Trotzdem solle der Charakter des Landgebiets erhalten bleiben, versicherte Dornquast, "und nicht als Erweiterungsfläche der Stadt dienen". Was aber nicht bedeute, "den Vier- und Marschlanden eine Käseglocke überzustülpen, vielmehr ist eine kluge und behutsame Entwicklung gefragt".

Nach diesem kleinen Exkurs kam der Bezirksamtsleiter dann doch auf das Thema "Wasser" zu sprechen. Tatsache sei, dass die ohnehin sensiblen Entwässerungssysteme vor immer größeren Herausforderungen stünden. "Eine Ursache ist der Zuwachs an versiegelten Flächen", sagte Dornquast. Bestes Beispiel: Nettelnburg, das Anfang des Jahres kurz vor einer Überschwemmung stand. "Bebauung in zweiter Reihe, lange Zufahrten, die gepflastert wurden", zählte Dornquast auf. Hinzu komme, dass der Wasserverbrauch deutlich gesunken sei. "So wird weniger gepumpt, das darf das Wasserwerk aber auch." Warum Hamburg allerdings immer noch Wasser aus der Heide beziehe, wisse er auch nicht, sagte Dornquast. "Vielleicht sollten Sie nach dem Scheitern eines Wasserverbandes in Curslack darüber nachdenken, ob es nicht doch eine kluge Idee wäre, ihn zu gründen", schlug er vor.

Von der Topografie Curslacks müssten zwei Drittel des Oberflächenwassers in die Dove-Elbe ablaufen, wendete Jochen Quast ein. Dass das nicht der Fall ist, "liegt an den letzten 300 Meter Gräben", sagte der Milchbauer. "Sie funktionieren nicht." Bernd Capeletti schlug vor, dass sich ein paar Ortskundige zusammensetzen und die Schwachstellen in Curslacks Entwässerung benennen. "Dann könne man sehen, was es kostet, sie zu beheben", sagte der Christdemokrat. Davon wollte Behrmann nichts wissen: "Ein Arbeitskreis ist überflüssig", sagte der Präsident. "Schreibt auf, wo genau es Probleme gibt und leitet die Liste ans Bezirksamt weiter." Dessen Leiter versprach, sich der Sache anzunehmen: "Wir tun, was wir können."