Entwässerung

Landwirten schwimmt die Saat weg

Curslack. Gräben laufen über, Keller stehen voller Wasser, auf den Feldern macht sich eine "Vierländer Seenplatte" breit.

Erst am Wochenende rückte die FF Curslack zum wiederholten Mal an den Curslacker Heerweg aus, pumpte das Wasser aus dem überquellenden Straßengraben in den Graben auf der anderen Straßenseite. Eine Sisyphusarbeit. Genau wie das Leerpumpen von Kellern, womit Anwohner schon seit Dezember immer wieder beschäftigt sind. Denn seither regnet es mehr als genug.

Die Landwirte sehen ihre Getreidesaat wegschwimmen, das gute Gras auf dem Grünland verderben. "Man muss sich Gedanken machen, was man eigentlich will", sagt Landwirt Martin Lüdeke. Das sei eine gesellschaftliche Frage: "Wollen wir hier weiter leben, bauen und Landwirtschaft betreiben, oder wollen wir ein Naturgebiet mit Elbauen?"

Die Gründe für die Entwässerungsprobleme sind vielfältig und seit Jahren bekannt. Nach dem Hochwasserschock Anfang Januar tut sich ein bisschen was. So kümmert sich der Bezirk beispielsweise um den Straßengraben am Curslacker Heerweg, baggert Grabenabschnitte aus, durchspült verstopfte Rohe unter den Grabenüberführungen. Doch die 85 000 Euro, vorfinanziert aus einem Topf für 2013, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Ein Vielfaches wäre notwendig", sagt Joachim Bruschke vom Fachamt Management des öffentlichen Raums. Aus der Sicht von Uwe Wehling von der Wasserwirtschaft klappt die Entwässerung über Dove-Elbe und Tatenberger Schleuse derzeit gut. Ganz anders sehen das die Landwirte, deren Felder regelrecht ertrinken. "Das Wasser kann nicht in die Dove-Elbe, weil die selbst noch so viel Wasser führt", sagt Landwirt Nils Ohlrogge vom Achterschlag. Auch Kollege Lüdeke hält ein Absenken des Wasserspiegels für dringend geboten. Doch Wehling sagt: "Das bringt nichts." Tatsächlich hapert es streckenweise schon an den Ablaufgräben, die teilweise zugewachsen oder zugeschüttet sind. Da nützt es nichts, wenn Sielgräben bei der A 25 tipptopp in Ordnung sind, wenn sie Richtung Curslacker Deich ansteigen, dort gestaut werden oder den Deich wegen verstopfter Rohre nicht passieren können. Ein funktionierendes Ent- und Bewässerungssystem würde Abhilfe schaffen. Die Gründung eines entsprechenden Verbandes scheiterte allerdings an der Ablehnung in der Bevölkerung.

Aus ihr wird aber häufig der Ruf nach dem Wasserwerk und seiner Verantwortung laut. Der Vorwurf: Das Wasserwerk Curslack fördere nicht die Maximalmenge von 80 000 Kubikmetern täglich, sondern saisonal sogar nur 30 000 Kubikmeter. Dadurch sei der Grundwasserspiegel extrem hoch, könne der Marschboden nur noch geringe Niederschlagsmengen aufnehmen. Tatsächlich liegt der Wasserspiegel derzeit nur etwa einen halben Meter unter der Geländeoberfläche, wie die Ergebnisse einer Messstation am Curslacker Heerweg belegen. Das Curslacker Wasserwerk fördert derzeit täglich 50 000 Kubikmeter Wasser, so die Auskunft von Sprecher Ole Braukmann. Der Grund: Es darf nur so viel gefördert werden, wie für die Wasserversorgung notwendig ist. "Eine darüber hinausgehende Grundwasserentnahme zum Zwecke der Entwässerung ist uns wasserrechtlich nicht gestattet", so Braukmann. Dabei seien die gut 200 Flachbrunnen ständig in Betrieb, um das Versickerungspotenzial so hoch wie möglich zu halten.