Schottisches Dudelsack-Flair in den Marschlanden

Billwerder (ten). Die Musik, die Michael Gordon-Hall seinem Dudelsack entlockt, spaltet: "Entweder man liebt sie, oder man hasst sie", sagt der 60-Jährige. Ganz klar: Der in Bergedorf aufgewachsene Musiker mit schottischen Wurzeln liebt sie.

Er perfektioniert sein Können seit gut 15 Jahren. Ein Dudelsack-Ständchen zu seinem 40. Geburtstag hatte seine Neugier geweckt. So kraftvoll und eindringlich hatte er das Kirchenlied "Amazing Grace" noch nie gehört. Doch es sollte noch ein paar Jahre dauern, ehe er seinen eigenen Dudelsack in Händen hielt.

In der "Scandinavian Seaways Pipe Band", in der etwa 20 Trommler und Dudelsackspieler musizieren, griff er zunächst zu den Trommelstöcken. Dann kaufte er sich eine Übungspfeife (Practice Chanter), brachte sich das Spielen selbst bei. Schließlich kaufte er beim damaligen Musikhaus Sablotny einen richtigen Dudelsack.

Tausende Stunden hat er seither an dem Instrument verbracht: "Vor Auftritten übe ich bis zu drei Stunden am Tag", erzählt Michael Gordon-Hall. Grüner Samt umhüllt den Rindledersack des Instruments, in den der Spieler über ein Anblasrohr Luft pumpt. Ein Rückschlagventil verhindert ungewolltes Entweichen. Der luftgefüllte Beutel klemmt zwischen dem linken Arm und dem Körper, wird leicht gedrückt. Über die Pfeifen entweichende Luft ergibt den typischen Dudelsack-Dauerton, der über eine Spielpfeife (Chanter) ähnlich einer Blockflöte in Höhen und Tiefen verfeinert wird. Wichtig dabei sind aufwendig hergestellte "reeds", Rohrblätter, die die Töne in den Pfeifen ermöglichen. Und so ist der Dudelsack, dessen Pfeifen (Drones) aus afrikanischem Schwarzholz bestehen, ein Rohrblattinstrument.

Viele Menschen, ganz besonders aber Kinder fasziniert Michael Gordon-Hall mit seinem Spiel. So erinnert er sich an eine Übungsstunde im Freien in Dänemark, bei der sich nach kurzer Zeit viele Kinder um die Düne versammelt hatten, auf der er stand und in den Dudelsack blies. Mucksmäuschenstill lauschen sie auch bei den Gottesdiensten, die Michael Gordon-Hall in seiner Kirchengemeinde Billwerder musikalisch untermalt. Und natürlich ist seine Frau Elke ein begeisterter, aber auch sehr kritischer Fan. "Sie sagt mir schon, wenn ich noch mehr üben muss. Sie ist eine große Stütze für mich", sagt Gordon-Hall.

Selbstverständlich passt auch die Kleidung von Michael Gordon-Hall zur Musik. Zu seinem Kilt gehören einige Accessoires, wie die typischen Schnürschuhe, die Schmuckspange oder Greifvogelkralle am acht Meter Stoff fassenden Kilt, die weißen Strümpfe und der "sporran", eine Art Bauchtasche. Dort findet sich neben einem Taschentuch auch schon mal ein Fläschchen Whisky.

Eine pikante Geschichte rankt sich um das kleine Messer, das im oberen Kniestrumpfbereich aufbewahrt wird. Es war 1992, ein Auftritt im Bonner Kanzleramt bei Helmuth Kohl. "Die Sicherheitsvorkehrungen waren streng", erinnert sich Gordon-Hall. Bei der Kontrolle wurde bei einem Bandmitglied das Messer entdeckt, ausnahmsweise ein Plastikexemplar. Die Sicherheitsleute gingen davon aus, dass auch die anderen Bandmitglieder keine echten Messer dabei hätten. Ein Irrtum, der aber natürlich angesichts der durch und durch friedfertigen Musiker ohne dramatische Folgen blieb.

Zu guter Letzt hat Michael Gordon-Hall eine hübsche Antwort auf die Frage aller Fragen an Kilt-Träger parat. Was tragen sie drunter? Gordon-Hall hält es mit dem berühmten Schotten Sean Connery, dem folgende Antwort zugeschrieben wird: "Die Zukunft Schottlands." So oder so, verpackt oder unverpackt.