"Wutzrock"

"Kapitalismus abschaffen und in einer freien Welt leben"

Allermöhe. "Wutzrock" ist eines der größten und ältesten Musik-Festivals in Norddeutschland. Vom 26. bis zum 28. August wird am Eichbaumsee die 33. Ausgabe des "Umsonst & Draußen"-Spektakels gefeiert.

Einer der mindestens 150 Ehrenamtlichen, die sich um einen reibungslosen Ablauf bemühen werden, ist Marko Scharlow. Der 51-jährige Bergedorfer gehört zu den Gründern des legendären Festivals.

Scharlow war dabei, als im Dezember 1978 der Verein "Unser Haus" gegründet wurde. Das Ziel, ein selbst verwaltetes Jugendzentrum in Bergedorf, wurde 1982 mit dem Juz Unser Haus an der Wentorfer Straße 26 (Café Flop) erreicht. "Wir wollten den Kapitalismus abschaffen, in einer befreiten Welt leben und ein Juz. Schließlich haben wir uns vorerst auf Letzteres beschränkt", sagt Scharlow und lächelt.

Zu Beginn der "Unser Haus"-Bewegung dachten die jungen Menschen darüber nach, wie sie Geld zum Drucken von Flugblättern auftreiben können, um für ihr Anliegen zu werben. "Das war die Geburtsstunde von 'Wutzrock'", sagt Scharlow. Geplant, getan: Am 30. Juni 1979 ging das erste "Wutzrock" über die Bühne. "Immerhin kamen rund 2000 Besucher ins Billtalstadion", sagt Scharlow und fügt hinzu: "Den staubtrockenen Grandplatz mussten wir komplett fegen, weil er voller kaputter Plastikbecher war."

"Die Behörden haben uns schon bei der Premiere des Festivals so gut es ging unterstützt", sagt der 51-Jährige, der sich früher um Genehmigungen, Finanzen und Werbung gekümmert hatte. Etwa seien den Wutzrockern Mülleimer und Toiletten ohne große Umstände zur Verfügung gestellt worden.

Scharlow: "Wir haben damals mit vielen verschiedenen Abteilungen der Verwaltung zusammengearbeitet - bis uns nach drei, vier Jahren ein zentraler Ansprechpartner zur Seite gestellt wurde."

In den ersten zehn Jahren unterschied sich das Festival auf zweierlei Weise von den späteren Ausgaben: "Wutzrock" war zwar draußen, aber nicht umsonst. Die Besucher mussten ein paar Mark Eintritt zahlen. Außerdem mussten die Wutzrocker wandern - das Bezirksamt wies ihnen fast jedes Jahr einen anderen Standort zu. Unter anderem wurde auch auf den Billewiesen, am Reinbeker Redder und auf dem Frascatiplatz gerockt. Den Eichbaumsee eroberten die Wutzrocker erstmals 1989. Seit 1994 wird "Wutzrock" jährlich dort gefeiert.

Gut erinnert sich Scharlow an den Mai 1983, als "Geier Sturzflug" bei "Wutzrock" auftraten: "Die hatten da gerade ihren Nummer-eins-Hit 'Bruttosozialprodukt' und mussten am nächsten Tag in Zürich auftreten. Deshalb spielten sie bei uns nachmittags statt abends", sagt der "Wutzrock"-Veteran und fügt hinzu: "Das war keine gute Idee. Das Publikum bestand aus 500 Punks, die die Band gnadenlos auspfiffen."

1988, nachdem der zehnte Geburtstag des Festivals fünf Tage in einem Zirkuszelt auf dem "Fras" zelebriert wurde, stieg Scharlow aus. "Da war ich 30, das passte."

2008 stieg er wieder ein - als Bierausschenker am "Veteranen-Tresen". Scharlow: "Da hat es mich wieder gepackt." Das Festival wird heute "viel größer, aufwendiger und professioneller durchgeführt", sagt er. "Logistisch ist das eine echte Herausforderung. Trotzdem funktionieren die Abläufe, weil die Wutzrocker ein eingespieltes Team sind."

Scharlow, im wahren Leben Journalist, hilft bei der Verpflegung der Mitarbeiter und Musiker im Catering-Bereich. Sein Engagement beschränkt sich jedoch auf das lange "Wutzrock"-Wochenende. Dem harten Kern, der sich das ganze Jahr über mit der Organisation des Festivals beschäftigt, gehört er nicht mehr an.