Landesnaturschutzgesetz

Kompletter Uferstreifen bis 2020

Fünfhausen. Kaum ein Thema regt Landwirte, Blumen- und Gemüsebauern in den Vier- und Marschlanden so auf, wie das neue Landesnaturschutzgesetz.

Um Spekulationen um die Nutzung der Uferrandstreifen durch Informationen zu ersetzen, waren jetzt Wolfgang Prott, Abteilungsleiter Naturschutz der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), und Volker Deppe, Vertragsnaturschutz in der BSU, im Regionalausschuss. Sie standen Politikern und Bürgern Rede und Antwort.

Prott warb für Naturschutz, berichtete über dramatische Verluste an biologischer Vielfalt und eklatantes Artensterben. Amphibien und Reptilien seien fast alle stark bedroht. "Der Gewässerrandstreifen hat wichtige Funktionen in der Biotopvernetzung und muss wieder hergestellt werden, wie im Landschaftsprogramm von 1997 als Ziel benannt", so Prott. Im Naturschutzgesetz sei der nicht zu beackernde Uferstreifen mit 7,50 Meter festgeschrieben.

Deppe beleuchtete die Wichtigkeit von Dove- und Gose-Elbe als zentrale Achsen im Auenlebensraum, dem Übergang von Wasser zum Land. In dem schmalen Bereich lebten die gefährdetsten Arten. An den beiden Elbearmen fehlten gut 40 Prozent der Uferstreifen im Verbund.

Prott sagte, nach grober Schätzung wären im Landgebiet 120 Betriebe mit etwa sechs Hektar Land betroffenen. Ziel sei mittelfristig, in fünf bis zehn Jahren, einen durchgehenden Uferstreifen zu haben. "Wir wollen aber nicht verordnen, sondern vereinbaren", warb er. Es sollen nun zwei Gutachter, von der Landwirtschaftskammer vorgeschlagen, benannt werden, die die Landeigentümer kontaktieren und die Betroffenheit feststellen. Danach soll es einen Ausgleich bis hin zur Aussetzung der Frist geben.

Jörg Froh (CDU) fragte, ob alle Anspruch auf Entschädigungen hätten. Bei weniger als zehn Prozent Ausfall für den Betrieb müsse man das Gesetz erdulden. Bei mehr als zehn Prozent gebe es verschiedene Möglichkeiten, sagte Prott. "Ist der Neuengammer Durchstich betroffen?", wollte Robert Gruber (Die Linke) wissen. Deppe: "Nein, nur natürliche Gewässer, die Elbe-Seitenarme und Bracks."

Prott betonte weiterhin den Bestandsschutz von Glashäusern im 7,50-Meter-Streifen. "Dort darf man ackern, aber nicht neu bauen."

Grünland wird wie zuvor als Biotop an Gose- und Dove-Elbe gesehen, wurde Jürgen Stubbe (CDU) bestätigt. Bei nicht zu entschädigendem Ackerland müsse man wohl nicht mähen, oder? Deppe: "Keine Pflegepflicht, aber Angebote zur Vergütung." Er betonte zudem, es werde keine Änderung im Vertragsnaturschutz geben.

Marianne Gabriel (SPD) fragte, wie es sich mit den Einträgen der großen Zahl an Wildgänsen verhalte. "Das ist nicht erwünscht, aber nicht zu verhindern", bedauerte Prott.