HipHop Nation

Mit Musik Drogensucht bekämpfen

Moorfleet. Sergej, Johannes und Fabian sind noch keine 20. Doch sie haben schon viel Schlimmes getan und erlebt: Die jungen Männer haben gestohlen oder mit Drogen gedealt, standen mit einem Bein im Knast, waren auf Entzug.

Sie hatten Probleme mit ihren Eltern oder Geschwistern, haben schon im Kindesalter viele verschiedene Drogen genommen. Nun leben die drei Heranwachsenden im "Come In", dem Therapiezentrum am Moorfleeter Deich 341. Dort haben sie eine neue "Droge" entdeckt: Musik. Als "HipHop Nation" verarbeiten Johannes (19), Fabian (16) und Sergej (18) ihre Erfahrungen in Rap-Liedern. Inzwischen haben sie ihre erste CD aufgenommen.

"Unser Leben" heißt das erste Lied auf der "C' est la vie" betitelten CD - zu deutsch: So ist das Leben. Fabian, Sergej und Johannes haben es gemeinsam getextet und aufgenommen. "Es ist unser Leben, es ist unser Weg, es ist unsere Erde, die sich falsch rumdreht", heißt es im Refrain.

Sergej arbeitet daran, dass bei ihm bald wieder alles in die richtige Richtung geht. Seit 20 Monaten wird er im "Come In" therapiert. In Moorfleet hat sich der 18-Jährige, der bereits als Achtjähriger zur Zigarette griff, sogar das Rauchen abgewöhnt. Johannes lebt seit eineinhalb Jahren im "Come In". Dort lernte der 19-Jährige Sergej und Fabian kennen. Als Achtjähriger kam Johannes in ein Heim, sprayte illegal Graffiti, handelte mit Drogen, war ein Dieb. Der Jugendrichter ließ ihm die Wahl: "Knast oder Therapie?" Als Johannes erfuhr, dass er eine Tochter hat, veränderte sich sein Denken: "Ich will mich um sie kümmern, es besser als mein Vater machen."

In seine alte Heimat, Eberswalde bei Berlin, will Johannes nicht zurück: "Die Gefahr, wieder in den Sumpf zu geraten, ist mir zu groß." Statt dessen sucht er eine Lehrstelle als Koch - in ganz Rest-Deutschland.

Mit 15 zog Fabian im "Come In" ein. Das war vor über einem Jahr. Der aus Bad Schwartau stammende Jugendliche betäubte sich regelmäßig mit Alkohol, Amphetaminen und weiteren Drogen, landete in einer Entzugsklinik. Warum er sich so zugemacht hat? "Ich konnte nicht mit meiner Schwester mithalten, war in der Schule nicht so gut wie sie. Das hat mich frustriert." Von einem "Konkurrenzkampf mit seinem Halbbruder" berichtet Johannes.

Sergej, der ohne seinen leiblichen Vater aufwuchs, wurde von seiner Mutter streng erzogen: "Ich hatte das Gefühl, nicht von ihr geliebt zu werden", sagt er.

In ihrer "HipHop Nation" gehen die Ex-Junkies auf. Als die Band im Sommer bei der Altonale auftrat, waren die drei Musiker mit ihren ehrlichen, bewegenden Anti-Drogen-Liedern Exoten - umgeben von coolen Gangsta-Rappern, "aber denen gefiel unsere Musik", sagt Sergej.

Entstanden ist die Band in der Rap-Arbeitsgemeinschaft des "Come In", die von der Initiative "Kultur bewegt", der Stiftung Maritim Hermann und Milena Ebel, der Kulturbehörde und der Hamburgischen Kulturstiftung gefördert wird. Auch nach ihrer Zeit in Moorfleet wollen Fabian, Sergej und Johannes zusammen rappen: "Wir wollen weiterhin ehrlich unsere Meinung äußern."

* Weitere Infos zur Band gibt's unter www.myspace.com/wehi phopnation . Die CD kann auch telefonisch bestellt werden: (040) 737 23 62.

"Knast oder Therapie?"

, fragte der Jugendrichter

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