Bedarfsprüfung

Rollt die U-Bahn in Zukunft bis nach Lohbrügge?

Nahverkehr: Hochbahn prüft neue Strecken - Meinungen der Bergedorfer Politik sind gespalten

Die Planungen des Hamburger Nahverkehrs reichen weit in die Zukunft. Bereits im Dezember kündigte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) große Verkehrsprojekte an: "Wir müssen in der Verkehrspolitik heute das planen, was wir in den 20er- und 30er-Jahren dieses Jahrhunderts tun wollen", sagte Scholz dem "Hamburger Abendblatt". Und nannte unter anderem die Verbindung nach Bergedorf, die verbessert werden sollte.

Tatsächlich arbeitet die Hochbahn an einem Konzept. "Im gesamten Stadtgebiet wird geprüft, wo weiterer Bedarf besteht", sagt Hochbahn-Sprecherin Maja Weihgold. Faktoren wie die Einwohnerzahl, Beschäftigtenzahl, geplante Wohnsiedlungen, bestehende Anbindungen und deren Nutzung sowie die Belastung der umgebenen Straßen werden in diese Prüfung mit einbezogen. "Bis Ende des Jahres soll dadurch ein Konzept für ein 'U-Bahn-System der Zukunft' erarbeitet werden", sagt Weihgold.

Die Fraktionen der Bezirksversammlung haben diese Überlegungen genau im Blick. Und alle sind sich einig: Die Verkehrsanbindung nach Bergedorf und Lohbrügge muss verbessert werden. Ob dafür eine U-Bahn das richtige Mittel ist, da gehen die Meinungen auseinander. "Bei der Bevölkerungsentwicklung reichen spätestens 2020 die S-Bahn-Linien und Busse nicht mehr aus", ist sich Bernd Schrum (SPD) sicher. Um die Mobilität zukünftig sicherzustellen, halte die SPD eine U-Bahn-Anbindung für notwendig. Als Verlängerung der U2 von Mümmelmannsberg wären Heidhorst, Reinbeker Redder und Korachstraße geeignete Stationen, um Lohbrügge in den Öffentlichen Nahverkehr einzubinden.

Die CDU-Fraktion bevorzugt hingegen eine kostengünstigere und umweltfreundlichere Lösung: "Wir halten weiter an der Stadtbahn fest", sagt Jörg Froh. Durch diese Lösung könne man die bestehenden Ressourcen nutzen und teure Tunnel-Bohrungen oder Bahntrassen vermeiden. "Bei der Verkehrsanbindung in Richtung Innenstadt und gen Norden besteht aber Verbesserungsbedarf", sagt Froh. Den sieht auch Elisabeth Liesing-Lühr: "Der individuelle Personenverkehr muss reduziert werden. Da müssen attraktive Angebote her." Die Grünen-Politikerin fürchtet aber ebenso wie die CDU Folgen für Geldbeutel und Natur: "Wir halten die Stadtbahn für die ökologischere Form."

Die befürchtet hohen Kosten sind es auch, die bei den Linken "graue Haare verursacht haben", sagt Stephan Jersch. Doch die Fraktion sei sich einig, dass eine einzige Bahnstrecke bei der Bevölkerungsentwicklung nicht mehr ausreichen wird. Deswegen sollte die Taktung der S-Bahn überprüft werden: "Da ist noch Luft drin", meint Jersch und bekommt Zuspruch von Jan Penz (Piraten). In den Morgen- und Abendstunden gebe es eine hohe Belastung. "Diese sollte durch eine höhere Frequenz der Züge und Busse abgedeckt werden", sagt Penz.

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