Konfrontation

Weitere 125 Hektar für Gewerbe in Bergedorf?

Forderung der Handelskammer stößt auf Widerstand - Kleingärten müssten umsiedeln

Mit einer Mischung aus Entsetzen und Ärger reagieren Bezirkspolitiker auf die jüngste Forderung der Handelskammer, Bergedorf solle kurz- und mittelfristig weitere 125 Hektar für Gewerbe bereitstellen, vorzugsweise für Logistikunternehmen. Bislang gelingt es dem Bezirk nicht einmal, jährlich drei Hektar Gewerbeflächen neu auszuweisen. Für zusätzliche Verwunderung hat der Auftritt zweier Vertreter der Wirtschaftsbehörde gesorgt, die das Konzept eines Forschungs- und Innovationsparks zur besseren Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft präsentierten. Demnach soll Bergedorf neben Altona und Harburg dafür ein Standort werden, Schwerpunkt Windkraft.

"Wir können unsere knappen Gewerbeflächen ja nicht dreifach vermarkten", mahnt Bergedorfs CDU-Fraktionschef Sven Noetzel. Noch vor Logistikunternehmen mit ihrem großen Flächenbedarf und nur wenigen Arbeitsstellen müssten - neben Hightechfirmen - die örtlichen Handwerker berücksichtigt werden. "Wir müssen ihnen die Chance geben, auch kleinere Flächen zu erwerben, um ihre Betriebe erweitern oder verlagern zu können."

Die in einer ersten Tranche geforderten 65 Hektar in der "Moorfleeter Wanne" zwischen Andreas-Meyer-Straße und Moorfleeter Deich sowie nahe Ikea an der Autobahn 1 sind eher für Speditionen und Lager geeignet. Weitere große Logistikgebiete in den engen Grenzen Hamburgs sieht der Christdemokrat kritisch: "Die Verantwortlichen dürfen nicht nur über die Metropolregion sprechen, sie müssen auch über die jeweiligen Landesgrenzen hinausschauen." Für Hamburg seien bis auf verfügbare Hafenareale die weiteren Flächen "zu wertvoll, um sie mit Logistikern zuzubauen".

Noetzel bewertet das Vorgehen der Handelskammer als politisch motiviert: "Wer viel fordert, hofft, zumindest die Hälfte zu bekommen". Ernst Heilmann, Vertreter der Bergedorfer Linksfraktion in der Arbeitsgruppe Gewerbeflächenplanung, findet deutlichere Worte: "Die Forderungen sind ein völliges Unding. Sie lassen auf mangelnden Realitätssinn bei der Handelskammer schließen." Bergedorf brauche ein zentrales Flächenkataster, um jeweils die beste Nutzung festlegen zu können. Für die "Moorfleeter Wanne" stehe noch die Prüfung als Baugebiet für Wohnungen aus.

Hamburg kauft weitere Flächen in der "Moorfleeter Wanne"

Einen Blick auf die örtlichen Gegebenheiten vermisst auch Peter Gabriel (SPD). "Die Handelskammer sagt, Hamburg brauche jedes Jahr 30 Hektar. 125 Hektar in Bergedorf kämen über Jahre aber nur zusammen, wenn die komplette 'Moorfleeter Wanne' und viele Kleingärten überplant würden", warnt Bergedorfs Stadtplanungsausschuss-Vorsitzender. Der Umnutzung von Laubengelände nördlich Ikea oder bei den Senderflächen des NDR werde die Politik nur unter der Voraussetzung zustimmen, "dass Ersatz für die Kleingärtner geschaffen wird".

Derweil versucht Hamburg, in und um die "Moorfleeter Wanne" Fakten zu schaffen: Die Hansestadt hat kürzlich dort eine sechste Fläche erworben. Vor dem Bau neuer Speditionen oder Lagerhallen müsste Bergedorfs Politik jedoch das Terrain mit einem Bebauungsplan versehen, bislang handelt es sich in großen Teilen um landwirtschaftliche Nutzfläche. Auch eine Umsiedlung der Kleingärtner könnte sich noch als problematisch erweisen. Einige haben ein planungsrechtlich abgesichertes Dauerwohnrecht: Geben sie dies nicht freiwillig auf, bliebe Hamburg nur der Klageweg - mit ungewissem Ausgang.

Was Bergedorfs Bezirksamtsleiter Arne Dornquast zu Gewerbe- und Verkehrsplanung, zum Thema Wohnungsbau und zur Zukunft der Wochenmärkte, des Friedhofs und über Bergedorf-Museum und Rieck-Haus sagt, lesen Sie im Interview auf den

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