Bergedorf

Für 2,9 Millionen Euro: Schloss muss erneut saniert werden

Politik will Aufklärung: Was ist bei der Instandsetzung vor zwölf Jahren schief gelaufen?

Obwohl das Museum für Bergedorf und die Vierlande Anfang 2013 an den Bezirk übergegangen ist, ist die Zukunft seines Sitzes, des Bergedorfer Schlosses, noch immer nicht geklärt. Seit dem jüngsten Kulturausschuss kennen die Fachpolitiker einen gewichtigen Grund. Experten haben den Sanierungsstau ermittelt: Es würde nach derzeitigem Stand 2,9 Millionen Euro kosten, die in Teilen rund 500 Jahre alte Wasserburg umfassend instand zu setzen. Das ist ziemlich genau die Summe, auf die das Baudenkmal taxiert ist.

Die Mängelliste ist lang. Aufgeführt werden nasse, in Teilen unzureichend sanierte Mauern und Feuchtigkeitsprobleme durch einfach verglaste Fenster und die Küche des Schlosscafes; unzureichender Brandschutz und ein fehlender zweiter Fluchtweg für die Obergeschosse; defekte Blitzableiter; unzureichender Einbruchsschutz und zudem unzulässige Arbeitsbedingungen für die Museumsmitarbeiter.

Was Kirsten Rummelt, Technische Leiterin bei der Hamburgischen Immobilien Management Gesellschaft (IMPF: für Museen, Polizei, Feuerwehr) berichtete, trieb den Politikern Sorgenfalten oder Zornesröte ins Gesicht. Horst Schramm (SPD): "Da wundert es nicht, dass die Übergabe des Schlosses von der Kulturbehörde an die IMPF nicht vorankommt."

Wie er erinnerten sich viele, dass die jüngste Sanierung des Bergedorfer Wahrzeichen erst zwölf Jahre zurückliegt. Auf Fragen, was beim damaligen, 3,5-Millionen-Mark-Projekt schiefgelaufen sei, gab es keine Antworten. "Die Mängel sind jetzt vorhanden, möglicherweise in Teilen der Finanznot der Stadt geschuldet", sagt Rummelt. Das Schloss sei alle Anstrengungen Wert, keinesfalls dem Abriss nahe, wie Politiker stichelten.

Die Probleme wären leichter zu lösen, wäre die künftige Verantwortung klar, bedauerte Bezirksamtsleiter Arne Dornquast: "Das Schloss wäre längst an die HGV (Hamburger Gesellschaft für Vermögens und Beteiligungsmanagement) übergegangen, würde seit Jahren, wie alle anderen Museumsbauten, von der IMPF verwaltet, hätte sich damals nicht in Bergedorf riesiger Widerstand gegen eine solche Lösung artikuliert. Befeuert von der abenteuerlichen Behauptung, Hamburg wolle das Schloss als Hotel verkaufen." Trotz gewachsener Probleme sei der Bezirk im Gespräch mit Kulturbehörde, HGV und IMPF.

Eine Mitschuld mochte Rudi Walter (Die Linke) nicht erkennen: Hamburgs Kulturbehörde habe über Jahre versäumt, ausreichend Geld in die Unterhaltung des Schlosses zu stecken. Einzig das Bezirksamt sieht er in der Mitverantwortung, "weil es nicht gegen den Küchenbetrieb im Schlosscafe eingeschritten ist".

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