Lohbrügge

Reinbeker Redder: Doppelt so viele Wohnungen wie geplant?

400 statt 200 Wettbewerb - SPD-Mehrheit will Mietblocks statt Einfamilienhäuser

150 statt 60 Wohnungen, Wohnblocks anstelle von geplanten Reihen- und Doppelhäusern: Neue Überlegungen für eine stark verdichtete Bebauung nördlich des Reinbeker Redders haben schon im August Kritik von Anwohnern des Hirtenlands ausgelöst. Hinter verschlossenen Türen haben Verwaltung und Politik danach den Versuch unternommen, die Ideen für Wohnungsbau im äußersten Norden Lohbrügges neu zu ordnen. Ergebnis: Zwei städtebauliche Wettbewerbe für Hirtenland und die Fläche zwischen den Straßen Haempten und Tienrade sollen den Rahmen abstecken; dabei soll sich die Zahl der Wohnungen von zunächst veranschlagten 200 auf zusammen 400 verdoppeln.

Die Sprengkraft wurde deutlich, als ein Projektentwickler seine Überlegungen für das Areal des ehemaligen Pavillondorfs Hirtenland präsentierte. Wo zunächst Einfamilienhausbebauung auf 2,3 Hektar vorgesehen war, schlug er im Stadtplanungsausschuss 18 bis zu fünfgeschossige Wohnblocks mit ein wenig Grün und Wasserflächen vor. Es folgte Protest von Anwohnern. Mahnungen von CDU und Grünen, ein solches Wohngebiet und Seniorenwohnungen passten nicht in die Nachbarschaft von lockerer Einfamilienhaus-Bebauung und Kleingärten, mochte die SPD-Mehrheit nicht teilen.

"Geschosswohnungsbau ist legitim, muss sich aber auf der anderen Seite einpassen", sagt jetzt SPD-Fraktionschef Paul Kleszcz. Und: "In den Wettbewerben soll auch die teils weitaus dichtere Bebauung südlich des Reinbeker Redders berücksichtigt werden."

Dies soll nicht nur für Hirtenland gelten, sondern auch für das 6,2 Hektar großes Areal zwischen Haempten und Tienrade. Hier sieht das Wohnbauprogramm bisher 145 Wohnungen in gemischter Bebauung vor - nach aktuellen Überlegungen soll ihre Zahl auf etwa 250 steigen.

In einem Punkt haben sich Mehrheit und Opposition angenähert: Bei vier Geschossen soll auf dem Hirtenland Schluss sein. Östlich sollen es drei sein, nur in Teilen bis zu vier. Außerdem soll Platz für Einfamilienhäuser bleiben: Die Bebauung "soll auch den Wohnbedarf (abwanderungswilligen) Familien decken", heißt es dazu in der Fortschreibung des Bergedorfer Wohnbauprogramms.

Ernst Heilmann, Stadtplanungsexperte der Linken, lobt die Idee der Wettbewerbe. "Die Bebauung stärker zu verdichten ist sicher richtig. In einer Gesamtbetrachtung lässt sich feststellen, wo dies sinnvoll ist und wo nicht." Ernst Mohnike (FDP) wie Sven Noetzel begrüßen reduzierte Geschossobergrenzen. Der CDU-Fraktionschef will sich damit jedoch nicht zufriedengeben, verweist auf frühere Planungen, nach denen Geschosswohnungsbau südlich des Reinbeker Redders enden sollte. "Wenn die SPD 2014 ihre absolute Mehrheit in der Bezirksversammlung einbüßt, kann sie sich diese Planungen abschminken."

Stimmt die Politik zu, will das Bezirksamt zunächst Planungsbüros für zwei städtebauliche Workshops beauftragen. "Auf der Basis könnte dann die Bebauungsplanung vorangetrieben werden", sagt Stadtplaner Axel Schneede. Gehe alles glatt, seien 2015 beide B-Planverfahren abgeschlossen.

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