Containerdorf-Debatte

Flüchtlinge "zwischenlagern" statt sie zu integrieren?

Bergedorf. Die Zeit ist knapp: Nur noch zehn Wochen, dann kommen mindestens 400 Flüchtlinge nach Bergedorf. Viele von ihnen aus Syrien und Afghanistan, zudem aus Afrika, wo diverse regionale Kriege wüten.

Noch vor Weihnachten muss Bergedorfs Politik entscheiden, wo sie untergebracht werden. Gelingt das nicht, lässt Hamburgs Senat das Containerdorf an der Rothenhauschaussee wieder aufbauen und die Moorfleeter Schule zum Flüchtlings- und Asylbewerberheim umfunktionieren.

Die Fraktionen der Bezirksversammlung suchen nach alternativen Standorten, an denen die Unterkünfte möglichst kurzfristig wieder verschwinden können. Jedenfalls schneller, als die bis zu drei Jahre für die beiden vom Senat vorgesehenen Standorte. In einer Sondersitzung des Hauptausschusses am Mittwoch, 17.30 Uhr, und in der Bezirksversammlung am Donnerstag, 18 Uhr, (beide Rathaus) geht es um das ehemalige Klärwerk am Curslacker Neuen Deich, das künftige Gewerbegebiet "Brennerhof" in Moorfleet und den Schausteller-Platz nebenan.

Doch die Diskussion des Ortes der Unterbringung beleuchtet das Thema nur einseitig: Dass es ausgerechnet in der Weihnachtszeit um Flüchtlinge geht, drängt die Frage auf, ob sie in Bergedorf nur "zwischengelagert" oder doch integriert werden sollen. Vor 2012 Jahren in Bethlehem wollte die Ankömmlinge auch niemand haben. Nur mit knapper Not gab es noch einen Stall. Und anschließend ging mit der Integration so ziemlich alles schief. "Wie werden wir unsere neuen Nachbarn in Bergedorf begleiten, damit sie keine Fremden bleiben? Und wie stellen wir sicher, dass ihre Kinder hier auch schulfähig werden?", fragte Christdemokrat Peter Aue, Chef des Ausschusses für Wirtschaft und Arbeit, der sich auf Antrag der Linken mit den Chancen junger Migranten auf dem Arbeitsmarkt befasste.

Die Statistik zeichnet hier zwar kein Bild biblischen Ausmaßes, wohl aber das Hunderter persönlicher Dramen. "In Bergedorf liegt die Quote von Jugendlichen ohne schulischen Abschluss bei 7,1 Prozent. Und das sind zu einem ganz großen Teil junge Migranten, die einfach durch das Netz fallen", sagte Bergedorfs Bildungsmanagerin Anna Ammonn. Zeichen dafür seien die Quoten in Bergedorfer Stadtteilen mit hohem Migranten-Anteil: "In Neuallermöhe und Lohbrügge stehen rund neun Prozent nach der Schule ohne Abschluss da, in Bergedorf-West 16 Prozent."

Zwar habe das Bezirksamt die erwarteten Flüchtlinge im Blick, ob ihre Kinder aber bessere Chancen haben, mag Anna Ammonn nicht beurteilen: "Wir brauchen grundsätzlich mehr Projekte, die die Menschen direkt vor Ort auffangen, ihnen helfen, in der Vielzahl von Angeboten die für sie passenden zu finden." Das gelte vor allem für die Sprachkompetenz der Kinder: "Migranten sind nicht dumm. Aber sie haben nur eine Chance, wenn sie als Kind Deutsch lernen. Doch viele Eltern geben sie nicht in die Kita."

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