Leserbrief: Windkraftanlagen

"Es geht um intelligente Lösungen und Bodenhaftung der Politiker"

Betr.: "Kampf den Windmühlen", Titelseite vom 14. 11. 2012.

Da sollen sie nun auch bei uns die Landschaft beherrschen, diese Windenergieanlagen. Sie sollen sich drehen und drehen in einer Höhe von fast 200 Metern, 6 mal so hoch wie unser Kirchturm in Ochsenwerder. Denn die Betreiber sollen einen Freibrief bekommen, sie so unendlich hoch zu bauen, wie ihr Profitstreben es ihnen befiehlt.

"Gewachsene Kulturlandschaft": Was geht sie das an? Das gilt doch nur noch für Blankenese und die Alster. Und nur dort, wo mit dem massiven Widerstand von Leuten mit Geld und Einfluss zu rechnen ist. Natürlich sei diese Entwicklung der Horizontverschmutzung unumkehrbar - so sagen die Profiteure, die sich als unsere Wohltäter aufspielen: "Wenn ihr gegen Atomstrom seid, dann müsst ihr die Windenergieanlagen hinnehmen" - und meinen: das aber nur nach ihren Maßstäben. Andernfalls erginge es unserem Land ganz schlecht und denken dabei zu allererst an ihr Portemonnaie. Haben wir alles schon gehabt: 1961 stand ich am Ufer des Rheins. Dessen Wasser war eine dunkle Brühe, in der Fäkalien und Toilettenpapier schwammen. Darauf angesprochen, sagten mir Politiker: das sei eben der Preis für unseren Wohlstand. Und unumkehrbar. Jetzt stand ich an derselben Stelle: das Wasser war klar wie Trinkwasser. Als ich nach Ochsenwerder zog, vor 35 Jahren hieß es: "So sicher wie das Amen in der Kirche, so sicher kommt jetzt direkt am Dorfrand der 12 Meter hohe Damm der südlichen Güterumgehungsbahn, mit seinem Lärm tags und nachts". Er ist nicht gekommen, es gab eine bessere und billigere Lösung des Problems, ebenso am Rhein. Techniker, die bereit sind, sich eine Windmühle in den eigenen Garten stellen zu lassen, Politiker, die sich von Lobbys treiben lassen und Investoren, denen ihr Gewinn über alles geht, haben überhaupt keine Bedenken, Landschaften zu beschädigen, indem sie deren Horizont verschmutzen.

Warum aber wohnen sie trotz alledem in eben dieser Landschaft? Es geht hier nicht um die Verdammung der Windenergieanlagen schlechthin. Es geht um Augenmaß: um akzeptable Bauhöhen und Abstände zu den Häusern. Es geht um intelligente Lösungen, die Notwendigkeiten der Stromversorgung mit den Urbedürfnissen des Menschen nach einer harmonischen Umwelt zu verbinden. Bei Politikern spricht man von " Bodenhaftung". Nur mit dieser können sie die Anwälte des Volkes sein und auch bleiben.

Dr. Kurt Schröder

Arzt in Ochsenwerder

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