Widerstand

Behörde will Container-Dorf an der Rothenhauschaussee

Bergedorf. Wo vor gut sieben Jahren Container abgebaut, jüngst letzte Versorgungsleitungen aus dem Boden gerissen wurden, sollen bald neue Notunterkünfte stehen - an der Rothenhauschaussee.

Was eine Arbeitsgruppe um die Staatsräte von Innen- und Sozialbehörde Vertretern der sieben Hamburger Bezirke präsentierte, sorgt für Ärger - besonders in Bergedorf.

"Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen und sich die gesamte Stadt Hamburg solidarisch zeigt, werden wir es schaffen, bis Frühling mehr Plätze für Flüchtlinge und Wohnungslose zu schaffen", betonte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) gestern. Hamburg braucht mehr als die derzeit knapp 8500 Unterkunftsplätze, um neben Wohnungslosen und Nichtsesshaften die wachsende Zahl von Kriegsflüchtlingen (Syrien, Afghanistan) und Asylbewerbern unterzubringen. Waren es noch zu Jahresanfang 80 Menschen, die neu nach Hamburg kamen, ist ihre Zahl auf 300 im Monat gestiegen. Zelte für die Erstaufnahme sollen zum Winter verschwinden.

In Bergedorf herrscht über Parteigrenzen hinweg Einigkeit, dass sich der Bezirk auch künftig seiner Mitverantwortung stellen müsse. Dass Hamburgs bevölkerungsärmster Bezirk aber erneut einen weit überproportionalen Anteil an zusätzlichen Unterbringungsplätzen bereitstellen soll, wollen die Bergedorfer nicht hinnehmen. Mit derzeit 1200 Plätzen stellt Bergedorf (120 000 Einwohner) gut doppelt so viele Plätze wie Harburg (517 Plätze, 152 000 Einwohner) und fast ebenso viele wie Wandsbek mit gut 410 000 Einwohnern.

Fast 1300 Plätze will Hamburg bis März 2013 schaffen. 100 Plätze in neuen Containern sind gerade am Curslacker Neuer Deich fertig geworden. Weitere 400 soll Bergedorf noch beisteuern: 300 auf dem Areal an der Rothenhauschaussee und 100 in der leer stehenden Schule Moorfleet.

Ein neues Containerdorf im äußersten Osten Bergedorfs lehnen SPD wie CDU ab. "Im Frühjahr ist die gesamte Infrastruktur aus dem Boden geholt worden, die müsste komplett neu erstellt werden", sagt Peter Aue (CDU). Besonders ärgert ihn, dass Hamburg die Fläche trotz laufenden Bebauungsplanverfahrens jetzt anders nutzen will. Kommende Wochen sollen hier Bäume gefällt werden, um die Umsiedlung von Kleingärtnern vorzubereiten, die Gewerbeansiedlungen in Bergedorf weichen sollen.

"Wir sind irritiert über den Vorschlag für ein neues Containerdorf an der Rothenhauschaussee", sagt Paul Kleszcz (SPD). Gehe es vor allem darum, wie von Hamburg angeführt, kurzzeitig zusätzliche Plätze zu schaffen, müsse es bessere Möglichkeiten geben: "Das Hotel Waldschlösschen an der Wentorfer Straße steht leer, da ist den Verantwortlichen der Sanierungsaufwand aber wohl zu groß."

Übergangslösungen auf Wohnschiffen, wie früher in Altona, sind für die Sozialbehörde keine Option, sagt Sprecherin Nicole Serocka. Die letzte Entscheidung über Standorte sei noch nicht gefallen, zunächst folge das Beteiligungsverfahren der Bezirke. Dieses diene auch dazu, Details zu klären: "Das örtliche Baurecht können wir von hier aus nicht beurteilen."