WVG-Forderung

Sorgenkind Fußgängerzone: Leerstände und hohe Mieten

Geesthacht. Die Geesthachter Fußgängerzone steckt mitten im Wandel: Traditionelle Geschäfte wie die Stadtbuchhandlung, Feinkost Fuhlendorf oder der Erlebniseinkauf Kneese geben auf. Auf der anderen Seite stehen mehrere Hundert Quadratmeter Verkaufsfläche in der City leer - doch die lange geplante Sanierung der Bergedorfer Straße wurde von der Politik jüngst um Jahre verschoben.

"Wir sind stark betroffen, dass Fuhlendorf und Kneese schließen", sagt Paul Apel, Sprecher der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht. "Gerade Fuhlendorf war ein Magnet, so viel Kundschaft bringt nur ein Lebensmittelgeschäft - und das wird es bestimmt nicht mehr geben."

Apel betont, dass ein guter Branchenmix wichtig ist, um gut für die Zukunft gerüstet zu sein. Allerdings gebe es keinen Grund zur Sorge: "Unser Sortiment ist immer noch so gut, dass wir in der Region interessant sind. Das sehen wir gerade an den gut besuchten Marktsonntagen." Beim bevorstehenden Wandel sei es wichtig, ein breites Angebot in die Stadt zu holen. "Wir brauchen gute Händler wie einen Herrenausstatter oder ein Wäschegeschäft - und keinen weiteren Bäcker oder einen Handyladen", so Apel. Zudem appelliert die WVG an die Händler: "Es ist wichtig, dass wir gerade am Sonnabend gemeinsame Öffnungszeiten finden", so Apel.

Wer künftig in die großflächigen Läden von Fuhlendorf oder Kneese einzieht, ist noch offen, Verhandlungen laufen. Hinzu kommen noch immer drei unvermietete Läden im neuen Sparkassen-Center - bislang steht hier nur die Sonnen-Apotheke als neuer Mieter fest. "Es gibt sehr konkrete Verhandlungen für eine Fläche, in die Gastronomie soll, die es in Geesthacht noch nicht gibt. Wir gehen davon aus, dass das bald konkret wird", sagt Christoph Herbers, Leiter der Immobilien-Abteilung der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg (KSK). Für insgesamt 360 Quadratmeter sucht die KSK aber seit einem Jahr Mieter. "Wir sind sehr überrascht, dass diese Flächen offenbar nicht als attraktive Lage wahrgenommen werden", so Herbers.

Apel sieht die Mietpreise in dem modernen Gebäude mit 18 Euro pro Quadratmeter als zu hoch an. "Gerade eine Kreissparkasse sollte wissen, dass das schwer zu erwirtschaften ist", sagt Apel. Zum Vergleich: das ehemalige "Teehus" an der Norderstraße wird für zehn Euro pro Quadratmeter im Internet angeboten, eine Ladenfläche im Neubau am Buntenskamp wird mit 9,85 Euro offeriert.

Eine grundlegende Sanierung der Fußgängerzone wird nach derzeitigem Stand vermutlich erst 2015 begonnen. "Das wurde uns zwar lange versprochen, ist aber nicht ganz so tragisch - denn nur durch einen guten Belag verdienen wir nicht einen Euro mehr", so Apel. "Ich hoffe aber, dass die Stadt ein Auge darauf hat, dass der Untergrund nicht kaputt geht." Denn aufwendige Bauarbeiten wünsche sich auch in Zeiten des Wandels niemand in der Fußgängerzone.