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Sanierung ist zu teuer: Bezirk will Lichtwarkhaus abreißen

Bergedorf. Es ist groß, ziemlich verbaut, und hätte reichlich Sanierungsbedarf. Bergedorfs Lichtwarkhaus ist eines der letzten seiner Art. Die auf zwei Millionen Euro taxierten Modernisierungskosten haben im Bezirksamt dennoch die Auffassung reifen lassen, dass ein Neubau die bessere Alternative ist.

Er könnte in Nachbarschaft entstehen, gleich mehrere Schwachpunkte ausräumen. "An der B 5 gelegen, wäre das Haus für alle leicht auffindbar", sagt Bezirksamtsleiter Arne Dornquast. Statt Heizung und Elektrik des Altbaus von Grund auf zu sanieren und viel Geld in eine halbwegs adäquate Wärmedämmung zu stecken, könnte die Summe in einen für die aktuellen Belange geplanten Neubau fließen. Dornquast: "Die Ergebnisse der vom Büro ÜNN durchgeführten Befragung gingen dabei nicht verloren, die Forderungen der Bürger und Nutzer würden in die Planungen einfließen."

Von konkreten Plänen ist die Verwaltung noch weit entfernt. Für eine erste Beratung im Hauptausschuss wurden Ideen-Skizzen angefertigt. Die haben hinter verschlossenen Türen für Aufsehen gesorgt. Nicht genug, dass das Ende der 1950er-Jahre eröffnete Lichtwarkhaus abgerissen werden soll: Erste Überlegungen zielen auf einen ovalen Neubau auf der anderen Seite des Schiffswassers, auf dem schmalen Streifen zwischen B 5 und Bergedorfs ältestem Hafen. Ob der Form sprechen erste Politiker vom "Ei des Columbus".

"Wir haben die Idee mit dem Denkmalschutzamt besprochen, gegen einen Abriss bestehen keine Bedenken, wenn wir Bergedorfs ersten Hafen unangetastet lassen", erläutert Dornquast. Mit rund 2700 Quadratmetern Bruttogeschossfläche könnte das alte Lichtwarkhaus den Anforderungen an ein modernes Community-Center für Bergedorfs Kern und Bergedorf-Süd genügen - allerdings nur auf dem Papier. "Wir haben einen enorm hohen Anteil nicht oder kaum nutzbarer Verkehrsflächen", bedauert Dornquast. "Dazu muss man wissen, dass der heutige Saal einst als Foyer eines großen Veranstaltungssaals gedacht war - doch der wurde nie gebaut."

Das "Bergedorf-Ei" könnte dagegen auf jeder Etage etwa 500 Quadratmeter bieten, der größte Teil Nutzfläche - und einen Saal im Obergeschoss. Außer aus Mitteln für die Stadtteilentwicklung von Bergedorf-Süd könnte das Millionen-Vorhaben aus dem Verkauf des alten Lichtwark-Grundstücks finanziert werden: Dieses böte Platz für 100 bis 200 Wohnungen.

"Wir können mit diesen Planungen gut leben, vor allem damit, dass das alte Lichtwarkhaus erst abgerissen werden soll, wenn wir in den Neubau umziehen können", sagt Fritz Manke. Als Awo-Vorsitzender ist er Betreiber des Seniorentreffs im Lichtwarkhaus. Allerdings müssten viele Details noch geklärt werden, etwa Lieferverkehr und eine Stellfläche für den Bus, der viele Senioren zum Treff transportiert. Für das "Haus der Jugend" denken die Verantwortlichen derweil an einen Ortswechsel. S. 18